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montags, 20-22 Uhr
toxic.fm | 107.1 MHz
Primavera Sound - Der Samstag Drucken E-Mail

Der letzte ist auch der längste Tag auf dem Festivalgelände. Pünktlich um 16 Uhr sind die drei Klangschauer vor Ort, besser gesagt im Auditorium. Zum Glück, sonst hätten sie einen der Höhepunkte des Festivals verpasst.

Bon Iver
         
Für die drei Klangschauer der Ausreisser des Festivals. Allerdings muss man hinzufügen, dass die drei Herren den Auditorium-Bonus genossen und damit streng genommen ausser Konkurrenz laufen. Als einzige der hier besprochenen Bands trat Bon Iver nicht auf einer Openair-Bühne sondern in einem Konzertsaal auf. Sehr ruhige Lichteffekte auf der Bühne und komplette Dunkelheit im Zuschauerraum bereiteten der Band ein Ambiente, in dem ihre Musik sich stimmungsvoll in alle Richtungen ausbreiten konnte. Bon Iver spielen Lebensrettermusik: ruhigen, etwas experimentellen Folk. Die Lieder beginnen sehr ruhig, häufig ohne Schlagzeug, schwellen dann aber zu einem breiten, packenden Musikfluss an und reissen das Publikum mit. Standing Ovations der 2'000 Besucher begleiten die drei sympathischen Herren in den Backstage-Bereich. ((Ein tolles Video gibt es hier.))


Times New Viking

         
Wohl in Anlehnung an die aktuelle Standardschrift der Menschheit benannt, präsentiert dieses Trio aus Ohio unterhaltsamen Lo-Fi á la Moldy Peaches. Leichte Melodien brechen nach kurzem Intro in ein Lärmgemisch aus Schlagzeug, Gitarre und Keyboard um. Obwohl sichtlich gut gelaunt, erlebt die Band einen katastrophalen Tag. Schwierigkeiten zu Beginn des Konzerts lassen den Schlagzeuger mit einem Sprung ins nahe Meer drohen, seinen Pass habe er heute auch schon verloren und gleich im ersten Stück reisst dem Gitarristen eine Saite. Während des Konzerts geht es dann auf der Bühne betont chaotisch zu. Die Reihenfolge der Lieder wird diskutiert und scheinbar spontan entschieden. Nach knapp einer halben Stunde ist die Band recht früh mit ihrer Kunst am Ende, der Gitarrist schmeist seine Gitarre ohne hinzusehen hinter sich und der Schlagzeuger verabschiedet sich mit "Please recycle! ... And find my passport!".


Port O'Brien

Die zweite Folk-Band des Tages kommt aus Oakland in Kalifornien. Der Bandname erinnert an die Sommerbeschäftigung des Sängers Van Pierszalowski: auf dem Fischerboot seines Vaters holt er Jahr für Jahr Alaska Seelachs aus dem Meer. Seine Songs seien gespeist aus den Erfahrungen und aus den Gedanken dieser Arbeit auf dem Meer. Sehr ruhig sind daher auch das Tempo und die Melodien.


Okkervil River
         

Die nächste Band mit Folk-Background heisst Okkervil River und damit steht auch fest, wonach den Veranstaltern dieses Jahr war: Viele Gitarren, gerne auch akustische, und vielschichtige Songs. Genau das bietet die Band aus Austin, TX, die im Vergleich zu ihrer Tour im Herbst weniger spritzig spielt, aber zum Ende ihres Sets doch schön in Fahrt kommt. Das zu Beginn verhaltene Publikum dankt es Will Sheff und seinen Mannen. (((Zum Video)))


Lightspeed Champion

Das aktivste Drittel aus der Konkursmasse von Test Icicles brachte Anfang des Jahres sein Solo-Debüt in unsere Plattenläden. Unter den Augen von Bright Eyes-Grossmeistern Mike Mogis und Conor Oberst hatte es Lightspeed Champion Devonte Hynes in Omaha, Nebraska aufgenommen. Insgesamt ist auch dieses Konzert eher ruhig und gelassen, zusammen mit Violine und Klavier nehmen Hynes und Band das Tempo mehrmals raus. Die hübschen Melodien werden dabei jedoch von den teils recht deftigen Texten kontrastiert.


Rufus Wainwright

Ganz alleine, ohne Band und "nur" mit einem Piano und zwei Gitarren ausgestattet ist Rufus Wainwright nach Barcelona gereist. Von der Hauptbühne herab gibt er ein sehr politisches, persönliches, sensibles Konzert. Als einziger Musiker des Festivals erklärt er seine Gedanken zu den folgenden Songs regelmässig und spricht dabei auch mehrmals mit dem Publikum. Zwei neue Songs hat er auch im Gepäch: einen über eine Schulfreundschaft, einen weiteren zu Ehren New Yorks. Beide Stücke können nicht wirklich mit den grossartigen Songs von "Release The Stars" mithalten. Trotzdem ist das Konzert über weite Strecken zum drin versinken. Rufus Wainwright überzieht dann auch seine Spielzeit und geht erst nach Handzeichen der strengen Veranstalter von der Bühne. (((Auch hier gibt's ein Video)))


Animal Collective
         
Riesen Andrang beim letzten Konzert auf der Hauptbühne. Das Animal Collective ist für 2 Uhr angekündigt und mehrere Tausend Menschen warten auf die Herren aus Baltimore. Nur von hinten beleuchtet, kann man die drei aber kaum erkennen. Dies ist auch kaum nötig, muss man sich doch ziemlich stark auf die Musik des Animal Collective konzentrieren. Der Beginn des Konzerts ist geprägt von langen Übergängen und Intros zwischen und vor den Stücken. Sie machen das Konzert etwas mühsam für Mittanzer. Die Songs sind dazu etwas zu stark zerlegt und werden nur langsam Stück für Stück zusammengesetzt. Das Publikum aber tanzt mit und jubelt wo es kann. Auch diese Band überzieht ihre Setdauer solange sie darf. (((Auch dieses Video soll nicht vorenthalten werden)))


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