|
(Rafaël Zeier ) Welch Anblick! Vor dem
Mascotte am Zürcher Bellvue eine ganze Horde 20irgendwaser verkleidet mit
quietschbunten T-Shirts, überdimensionierten Sonnenbrillen und Haaren in allen
Farben des Spektrums. Keine Frage, die halbe Nu-Rave-Jugend Zürichs muss
angereist sein, um MGMT zu huldigen und sich in ihrem Trash-Hippie-Chic zu
sonnen.
Aber erst mal gibt's alles
andere als Nu-Rave. Die Vorband Verdena erschrickt die bunte Meute mit
bretthartem Rock, wie sie ihn wohl nur von Jack White und Konsorten kennt. Besonders
beeindruckend übrigens der Verdena Sänger, der gleich einer eierfressenden
Schlange, zum Singen das halbe Mikrofon in seinen Rachen stopft. Wenn er nicht
grad mit Schluckakrobatik beschäftigt ist, tauscht der Sänger mit dem offensichtlich
nicht besonders geschätzten Mischer böse Blicke aus. „Sorry, we suck tonight!“
Aber so schlimm ist es gar nicht. Trotzdem ist das Konzert einen weiteren
Wutausbruch später zur Überraschung aller Anwesenden zu Ende.
Mit etwas Phantasie sieht man sogar den Mikro-Schlucker.
Nun beginnt das lange
Warten. So lange kann ein Bühnenumbau ja nicht dauern. Dauert er auch nicht.
Trotzdem dauert das Warten an. Derweil sieht man durchs
Backstage-Bunker-Fenster immer wieder die Wuschelköpfe, die wohl MGMT gehören.
Was machen die nur? Noch Last-Minute-Frisurchecks? Langsam kommen auch die
ersten Zweifel. Sind die Helden von Oracular Spectacular am Ende vom Erfolg dem
vielen Sony-Geld arrogant und verwöhnt geworden? Oder hängt ihnen der ganze
Nu-Rave-Rummel von dem sie annektiert wurden zum Halse raus?
Dann endlich kommen
sie. Und die Nu-Rave Kids dürften ihren Sonnenbrillen-geschwärzten Blicken kaum
getraut haben. Abgesehen vom blumenbedruckten Tüll-Nachthemd des Sängers tragen
MGMT zu ihren durchs Band langen Haaren Jeans, unspektakuläre Hemden und
Shirts. Leider folgt dann im Klangschau-Lager auf die anfängliche Belustigung
über die wenig Nu-Rave-konforme Montur von MGMT postwendend die erste
Enttäuschung. Gleich zu Beginn spielen MGMT das grossartige Weekend Wars
(vermutlich der beste Song auf Oracular Spectacular). Aber irgendwie klingt
alles wie Brei und auch MGMT funken ständig Änderungswünsche an den Mischer,
statt mit dem Publikum in Kontakt zu treten. Also doch arrogant geworden?
Auf jeden Fall bleibt
die erste Hälfte des Konzertes enttäuschend unfassbar und schon fast
langweilig. Was auf CD so grossartig funktioniert hat, will hier irgendwie
nicht klappen. Nach der x-ten Hippie-Jam-Einlage ist man sogar versucht ihnen Eric Cartman auf
den Hals zu hetzen. Doch dann kommt bei Pieces Of What endlich ein bisschen
Stimmung auf und ein paar leider schon fast Espers-mässig langweilige Einlagen
später folgen mit Electric Feel und Time To Pretend die zwei Hits, die ihnen
wohl massgeblich den Nu-Rave-Ruf eingebracht haben und zeigen, was eigentlich
möglich wäre, wenn MGMT denn wollten.
Immer diese Hobbyfotografen und -Kameraleute.
Zum Schluss gibt’s
dann aber doch noch zwei richtige Lichtblicke. Erst als finale Zugabe das live
noch mitreissendere Kids, das sogar die Leute auf dem Balkon zum tanzen bringt. Dann nach dem Konzert, kaum in den Backstage-Bunker verschwunden, spazieren
MGMT schon wieder gemütlich und mit den Fans plaudernd durchs Publikum hinter
den Merch-Stand. Also wohl doch nicht arrogant geworden.
Dennoch bleibt der
Eindruck einer etwas unentschlossenen Band, die ihre Publikumslieblinge schon
vor langer Zeit geschrieben hat und musikalisch längst in andere Sphären
abgewandert ist. In welche, wird das neue Album zeigen, auf das man sich trotz
dem reichlich durchzogenen Konzert dennoch freuen kann. Aber die neuen Flaming Lips sind sie noch lange nicht.
PS: Jetzt ruhen alle Hoffnungen auf Vampire Weekend am Mittwoch. Die Klangschau verlost übrigens noch Tickets .
|