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montags, 20-22 Uhr
toxic.fm | 107.1 MHz
Langeweile im Schlafrock: MGMT in Zürich Drucken E-Mail

button_mgmt2(Rafaël Zeier ) Welch Anblick! Vor dem Mascotte am Zürcher Bellvue eine ganze Horde 20irgendwaser verkleidet mit quietschbunten T-Shirts, überdimensionierten Sonnenbrillen und Haaren in allen Farben des Spektrums. Keine Frage, die halbe Nu-Rave-Jugend Zürichs muss angereist sein, um MGMT zu huldigen und sich in ihrem Trash-Hippie-Chic zu sonnen.

Aber erst mal gibt's alles andere als Nu-Rave. Die Vorband Verdena erschrickt die bunte Meute mit bretthartem Rock, wie sie ihn wohl nur von Jack White und Konsorten kennt. Besonders beeindruckend übrigens der Verdena Sänger, der gleich einer eierfressenden Schlange, zum Singen das halbe Mikrofon in seinen Rachen stopft. Wenn er nicht grad mit Schluckakrobatik beschäftigt ist, tauscht der Sänger mit dem offensichtlich nicht besonders geschätzten Mischer böse Blicke aus. „Sorry, we suck tonight!“ Aber so schlimm ist es gar nicht. Trotzdem ist das Konzert einen weiteren Wutausbruch später zur Überraschung aller Anwesenden zu Ende.

Mit etwas Phantasie sieht man sogar den Mikro-Schlucker.


Nun beginnt das lange Warten. So lange kann ein Bühnenumbau ja nicht dauern. Dauert er auch nicht. Trotzdem dauert das Warten an. Derweil sieht man durchs Backstage-Bunker-Fenster immer wieder die Wuschelköpfe, die wohl MGMT gehören. Was machen die nur? Noch Last-Minute-Frisurchecks? Langsam kommen auch die ersten Zweifel. Sind die Helden von Oracular Spectacular am Ende vom Erfolg dem vielen Sony-Geld arrogant und verwöhnt geworden? Oder hängt ihnen der ganze Nu-Rave-Rummel von dem sie annektiert wurden zum Halse raus?

Dann endlich kommen sie. Und die Nu-Rave Kids dürften ihren Sonnenbrillen-geschwärzten Blicken kaum getraut haben. Abgesehen vom blumenbedruckten Tüll-Nachthemd des Sängers tragen MGMT zu ihren durchs Band langen Haaren Jeans, unspektakuläre Hemden und Shirts. Leider folgt dann im Klangschau-Lager auf die anfängliche Belustigung über die wenig Nu-Rave-konforme Montur von MGMT postwendend die erste Enttäuschung. Gleich zu Beginn spielen MGMT das grossartige Weekend Wars (vermutlich der beste Song auf Oracular Spectacular). Aber irgendwie klingt alles wie Brei und auch MGMT funken ständig Änderungswünsche an den Mischer, statt mit dem Publikum in Kontakt zu treten. Also doch arrogant geworden?

Auf jeden Fall bleibt die erste Hälfte des Konzertes enttäuschend unfassbar und schon fast langweilig. Was auf CD so grossartig funktioniert hat, will hier irgendwie nicht klappen. Nach der x-ten Hippie-Jam-Einlage ist man sogar versucht ihnen Eric Cartman auf den Hals zu hetzen. Doch dann kommt bei Pieces Of What endlich ein bisschen Stimmung auf und ein paar leider schon fast Espers-mässig langweilige Einlagen später folgen mit Electric Feel und Time To Pretend die zwei Hits, die ihnen wohl massgeblich den Nu-Rave-Ruf eingebracht haben und zeigen, was eigentlich möglich wäre, wenn MGMT denn wollten.

Immer diese Hobbyfotografen und -Kameraleute.

Zum Schluss gibt’s dann aber doch noch zwei richtige Lichtblicke. Erst als finale Zugabe das live noch mitreissendere Kids, das sogar die Leute auf dem Balkon zum tanzen bringt. Dann nach dem Konzert, kaum in den Backstage-Bunker verschwunden, spazieren MGMT schon wieder gemütlich und mit den Fans plaudernd durchs Publikum hinter den Merch-Stand. Also wohl doch nicht arrogant geworden. 

Dennoch bleibt der Eindruck einer etwas unentschlossenen Band, die ihre Publikumslieblinge schon vor langer Zeit geschrieben hat und musikalisch längst in andere Sphären abgewandert ist. In welche, wird das neue Album zeigen, auf das man sich trotz dem reichlich durchzogenen Konzert dennoch freuen kann. Aber die neuen Flaming Lips sind sie noch lange nicht.


PS: Jetzt ruhen alle Hoffnungen auf Vampire Weekend am Mittwoch. Die Klangschau verlost übrigens noch Tickets

 
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