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Vampire Weekend Interview Drucken E-Mail

button_vampireweekend(Rafaël Zeier / 29.5.08) Die Klangschau hat Chris Baio (Bass) und Rostam Batmanglij (Keyboards, Produktion, Gitarre) von Vampire Weekend vor ihrem brillianten Konzert im Zürcher Mascotte getroffen und mit ihnen über mögliche Soloalben, den Einfluss von Blogs und kurze Konzerte gesprochen und ganz nebenbei noch etwas über ein geheimes Filmprojekt erfahren.



For the English version of this interview follow this link: Vampire Weekend Interview (english)


 

Rafaël: Fangen wir gleich mit deiner  Version von Campus an. Könntest du uns erklären, wie sie entstanden ist und wie daraus die finale Vampire Weekend Version des Songs geworden ist?

Rostam: Ursprünglich hab ich den Song mit Streichern im Kopf geschrieben. Doch dann haben wir damals – ich glaube es war unser drittes oder viertes Konzert überhaupt – mit dem Proben begonnen und wollten ein paar neue Songs dazu nehmen. So haben wir Campus als Band einstudiert.

Rafaël: Das war also nicht ein altes Projekt von dir, das von Vampire Weekend sozusagen adoptiert wurde?

Rostam: Nein das ist schon was eigenes. Vielleicht veröffentliche ich das dann später mal.

Rafaël: Höre ich da die Möglichkeit eines Soloalbums?

Rostam: (lacht) Keine Ahnung. Mal schauen was passiert.

Rafaël: Aber nun zurück zu Vampire Weekend, nicht dass wir Chris hier noch länger ausschliessen. Zum ersten Mal hab ich euch im April 2007 auf dem Stereogum Blog gehört. Wie habt ihr das damals gemacht mit den Blogs? Gabs da eine Art Marketingstrategie? Ich vermute mal ihr habt die mp3s damals an die Blogs geschickt.

Chris: Wir hatten nie einen grossen Marketingplan oder sowas. Wir haben einfach unsere Songs geschrieben, Rostam hat sie produziert und dann haben wir sie auf unser Myspace-Konto gestellt. Ganz am Anfang hat Ezra ein paar mp3s an Blogs verschickt und Benn Loxohat uns dann vorgestellt. Aber grösstenteils passierte das alles ganz normal. Wir spielten einfach Konzerte und darüber berichteten dann die traditionellen Medien. Es war also schon nicht so, dass wir da paketeweise mp3s an Musik-Blogs gesendet hätten.

Rafaël: Habt ihr als Band denn seit dem Aufkommen der Blogs einen Veränderung bemerkt?

Rostam: Also ich denke mal Blogs haben das System nicht verändert. Sie haben einfach dafür gesorgt dass eine breitere Öffentlichkeit erfährt, was es da für Musik gibt, und auch zu einer breiteren Diskussion geführt.

Rafaël: Wo wir schon von Blogs sprechen, ich hab da gestern zufällig etwas über euren Streit mit den  Islands gelesen. Ist das was Ernsthafteres oder einfach ein Jux?

Rostam: Also wir sehen sowas immer als einen Witz. Aber ich kann natürlich nicht für die Islands sprechen.

Rafaël: Ich muss ja sagen, ich war recht überrascht über die Aussage von Nich Thorburn von den Islands.

Rostam: Naja wir haben uns inzwischen etwas daran gewöhnt, dass Leute über uns schreiben. An einem Punkt muss man einfach für sich sagen: Jetzt hör ich auf mich darum zu scheren, was andere sagen.

Chris: Genau. Wir bekommen so Sachen schon mit, aber meist von dritten. Wir selbst sprechen untereinander kaum noch über so Sachen. Aber eben, wir versuchen so Sachen kein allzu grosses Gewicht beizumessen.

Rafaël: Nun für die armen Kerle, die euer Konzert heute verpasst haben. Könnt ihr uns erklären, wie ihr euren reichhaltigen Sound mit all den Streichern und exotischen Instrumenten in einem Live-Konzert umsetzt?

Chris: Auf der Bühne sind einfach wir vier. Das war eigentlich schon von Anfang an die Idee, dass wir Auftritte und Studio trennen. Wenn man sich im Studio zu sehr auf die Live-Tauglichkeit konzentriert kann einen ausbremsen und umgekehrt. Live sind wir auf jeden Fall energetischer als auf der Platte - Reduzierter und etwas simpler. Allerdings hat Rostam viele Sounds, die wir auf dem Album verwenden, auf seinem Keyboard. Es gibt also durchaus Unterschiede. Aber ich mag beide Varianten. Live und Studio.

Rostam: Live sind wir etwas mehr wie eine Garage-Band, wie in den 60ern mit Orgel, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Mehr braucht man eigentlich gar nicht.

Rafaël: Euer Album ist ungefähr 30 Minuten lang…

Chris: 34! (lacht)

Rafaël: Ich wollte euer Album da nicht künzlich kürzen, aber wie macht ihr aus 34 Minuten Material ein Konzert?

Chris: Nun, Ezra spricht zwischen den Songs. Wir stimmen die Instrumente zwischen den Songs. Aber wir spielen natürlich jeden Song auf dem Album plus eine B-Seite und 2 neue Songs. So kommen wir auf etwas zwischen 50 Minuten und einer Stunde. Eigentlich ganz in Ordnung für eine Band mit gerade mal einem Album.

Rostam: Mir macht ein kurzes Konzert auch nichts aus. Dafür sind schliesslich all unsere Songs gut.

Rafaël: Im Moment seit ihr ja auf grosser Europa-Tour. Hat diese Tour euer Bild vom alten Kontinent verändert?

Chris: Ich finde es schon beeindruckend, wenn man für 5 Stunden in ein Auto steigen und von Paris nach Amsterdam fahren kann. Zwei derart verschiedene und geschichtsträchtige Städte. Ich toure wirkliche gerne in Europa. Eigentlich am liebsten.

Rafaël: Habt ihr denn auf Tour auch gleich neue Songs geschrieben?

(Beide lachen.)

Rostam: Wir versuchen neue Sachen zu schreiben. Wir mussten sogar für dieses Film-Projekt. Mal schauen, was sich ergibt. Wir dürfen da eigentlich nichts dazu sagen.

Chris: Während dem Soundcheck haben wir jeweils Zeit an neuen Sachen rumzuprobieren. Wir haben schon ein paar Skizzen für Songs an denen wir arbeiten. Am einen Song basteln wir schon seit Beginn der Tour. Aber eigentlich ist es so nicht ideal für uns. Wir arbeiten lieber zu Hause in unserem Proberaum. Aber wenigstens lassen wir so die Zeit auf Tour nicht ungenutzt verstreichen.

Rafaël: Da bin ich ja auf den Soundcheck gespannt. Aber dieses Filmprojekt, könnt ihr uns da nicht noch ein klein bisschen mehr verraten?

Rostam: (grinst) Nein!

Rafaël: Aber wir müssen trotzdem über die Zukunft sprechen. Wisst ihr schon in etwa in welche Richtung es mit Vampire Weekend weitergeht? Ihr habt ja bereits neue Songs erwähnt.

Chris: Ja wir haben neue Songs. Einer zum Beispiel basiert auf einem Beat den Rostam gebastelt hat. Den Song spielen wir auch bereits live. Wir spielen dazu einfach die Beats von Rostam ein und spielen dazu. Der Song klingt wirklich anders als alles auf unserem Debutalbum. Er ist deutlich elektronischer. Das wär also ein Beispiel für das nächste Album.

Rafaël: Kann man also sagen, dass das neue Album beat-lastiger wird?

Chris: Also ein Song sicher. Aber für den Rest des Albums können wir das noch nicht sagen.

Rafaël: Letzte Frage bevor wir zum Gastklang kommen: Wer wäre euer Traumpartner für eine Kollaboration?

Rostam: Kate Bush wäre lustig.

Rafaël: Warum?

Rostam: Sie ist eine Legende.

Rafaël: Und du Chris? Mit wem würdest du gerne zusammenarbeiten?

Chris: Mit DJ Toomp. Er ist mein Lieblings-Rap-Produzent. Er hat ja schon viel mit T.I. gemacht. Ich denke er ist ein wirklich begabter Produzent.

 

Im Anschluss an das Interview haben Chris und Rostam für die Klangschau einen Gastklang aufgenommen. Diese von ihnen moderierte und programmierte Radiosendung wird die Klangschau nach der Sommerpause ausstrahlen und kurz darauf auf dieser Seite ebenfalls streamen. Für die Ungeduldigen hier schon mal die Liste:

 

Chris: Houdini - Five Minutes Funk

Rostam: MGMT – Time To Pretend

Chris: Neu! – Hallo Gallo

Rostam: Dirty Projectors – Depression

Chris: David Bowie – Breaking Glass

Rostam: Annie Lenox – Walking On Broken Glass

Chris: Kate Bush – Running Up That Hill

Rostam: Beck – Loser

Chris: Stooges – I Need Somebody

Rostam: Nick Drake – Road

 

 
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