 | (RZ) Das Klangschau Exklusiv-Interview mit Amy Millan (Gesang, Gitarre) von den Stars über ihre Tour mit Bloc Party, Arts & Crafts und Montreal. |
Der erste Schnee ist gerade gefallen und die Stars spielen heute Abend an den Earshakerdays im Zürcher Volkshaus zusammen mit Madrugada und Bloc Party. Wären wegen dem Schnee nicht alle Züge verspätet, wäre am am heutigen Tag wirklich nichts auszusetzen. Blauer Himmel und alles schön eingeschneit. Ideales Stars Wetter also. Ich treffe Amy, die Sängerin und Gitarristin der Stars, ein paar Stunden vor dem Konzert in einem Café um die Ecke.
Ihr habt doch zuvor schon mit Bloc Party zusammen gespielt?
Genau, wir waren mit ihnen am Accelerator Festival in Schweden. Sonic Youth waren bei dieser Tour durch Schweden auch noch dabei. Wir sind dann natürlich immer etwas mit Bloc Party rumgehangen. Ich bin ja am meisten mit ihrem Schlagzeuger rumgehangen. Der ist wirklich süss. Aber Bloc Party sind natürlich grossartig und wir freuen uns riesig mit ihnen auf Tour gehen zu können. Wie seid ihr denn überhaupt dazu gekommen?
Ich glaube sie sind Fans von uns und mögen unsere Musik. Auf die Weise haben wir in letzter Zeit eh alle unsere Konzerte zusammenbekommen. Wir waren gerade einen Monat in Amerika unterwegs als Vorband von Death Cab For Cutie, die auch grosse Stars Fans sind. Ich denke mal Musiker wissen in der Regel mehr über andere Musiker als die üblichen Radiohörer. So haben uns Bloc Party entdeckt und wollten, dass andere Leute unsere Musik auch kennen lernen.
Wie macht ihr das eigentlich live? Ich denke mal ihr müsst euch live verglichen mit dem Album schon etwas zurücknehmen.
Wir sind keine dieser Bands die mit einem Backtrack spielen. Heutzutage gibt es ja viele Bands die mit Backtracks spielen. Da kommen dann plötzlich irgendwelche Backgroundstimmen von ich weiss nicht woher. Das ist wirklich nicht unser Ding. Ich finde es viel spannender eine Band zu sehen, die nicht genau so klingt wie auf der CD. Live haben wir viel mehr Energie als die Leute erwarten. Unsere Alben sind ja sehr fein und soft. Aber live sind wir viel aggressiver. Wir haben dann zwar nicht 15 Spuren mit Backgroundstimmen. Das gleichen wir mit unserer Energie aber wieder aus.
Da freu ich mich natürlich auf heute Abend. Nun aber zum Arts & Crafts Label. Ich bin mir nie sicher wer denn da nun wen beeinflusst. Das Label die Künstler oder die Künstler das Label. Bands wie Broken Social Scene, Stars und Most Serene Republic bilden ja wirklich eine äusserst homogene Mischung.
Also die Most Serene Republic sind natürlich die Babys von Arts & Crafts. Die sind erst seit Kurzem dabei. Wir haben sie erst gerade kennen gelernt. Ich denke schon, dass sie von den Leuten vom Label beeinflusst worden sind. Adrian, der Sänger, ein richtiger Darling, hat auch selbst gesagt, dass er das Album speziell für Broken Social Scene gemacht hat. Er ist wirklich ein grosser Fan, hat sie aber noch nie getroffen. Als er dann einen Anruf von Jeffrey und Kevin von Arts & Crafts bekamen vielen er und seine Kollegen natürlich aus allen Wolken und waren überglücklich. Da wurde wirklich ein Traum war. Wir die restlichen Leute von Arts & Crafts kennen uns aber schon viel länger. Genau, ihr habt das Label ja eigenhändig gegründet.
Wir haben es damals eigentlich aus dem simplen Bedürfnis heraus gegründet, nicht auf ein Majorlabel angewiesen zu sein. Keiner von uns wollte einen Vertrag mit einem Majorlabel. Gestandene Bands wie Death Cab For Cutie, die Jahre damit verbracht haben sich eine Fanbasis zu erspielen, haben natürlich mehr Einfluss auf einen Majorvertrag. Aber wir waren damals noch so neu im Geschäft und hatten erst ein Album raus. Damals haben uns zwar schon einige Label ‚gedated’, aber ehrlichgesagt hatte die keine Ahnung. Die wollten nur unser Geld und dann gibt’s da ja noch diese Horrorgeschichten von Labels, die Alben nur in Kanada rausbringen aber nicht weltweit und den Künstlern trotzdem die Rechte nicht zurückgeben. Das ist als wäre man mit einem Ehemann verheiratet, der einen nur Sonntags aus dem Haus lässt. So kann man doch nicht leben. Zum Glück haben wir Jeffrey Remedios. Er ist sozusagen der Mann hinter dem Label und wirklich ein guter Freund von uns und Broken Social Scene. Er ist sozusagen der Mastermind im Hintergrund, der alles organisiert und die Fäden in der Hand hat. Das ist wirklich ein riesiger Aufwand und braucht unglaublich viel Zeit. Gibt es eigentlich schon wieder neue Bands, die zum Arts & Crafts Label dazugestossen sind oder demnächst dazu kommen werden?
Ich weiss nicht ob wir auf absehbare Zeit neue Bands unter Vertrag nehmen werden. Wir haben ja gerade erst American Analog Set, New Buffalo und Most Serene Republic aufgenommen. Ich denke mal das reicht für den Moment – gerade für ein so kleines Label.
Ich hab kürzlich in einer Biografie von euch gelesen, dass die Stars von Neu York nach Montreal gezogen sind.
Torquil Campbell und Chris Seligman sind schon Freunde seit sie acht sind und beide waren damals leicht depressiv. Chris lebte in Boston und Torquil überzeugte ihn nach New York zu ziehen. Sie zogen nach Williamsburg in Brooklin in eine Loft mit Bands wie Metric oder den Yeah Yeah Yeahs. Eine richtige ‚floater’ Community. Torquil arbeitet als Schauspieler (zB Sex And The City) und Chris spielte als Horn-Spieler am Broadway. Aber sie hatten eigentlich keine richtigen Freunde. Stattdessen kifften sie viel und fingen dann irgendwann an gemeinsam Songs zu schreiben. Mit der Zeit brauchten sie dann natürlich eine Band. So kamen Evan und ich dazu. Aber ich war nicht lange in New York. Ich glaube höchstens einen Monat. Das war zu der Zeit als die zwei gerade entschieden hatten, dass sie aus Neu York raus mussten. Torquil hatte wirklich das Gefühl, dass etwas passieren würde und dass es richtig übel werden würde. Damals kam ja auch Giuliani und hat der Stadt jeden Reiz genommen und versucht sie in ein Disney Land zu verwandeln. Aber man kann New York nicht in Disney Land verwandeln. Man kann nur Leute ins Gefängnis werfen. Das war also wirklich kein guter Ort um zu arbeiten. Und wie ist den Montreal im Vergleich zu New York?
Montreal dagegen ist wie Europa. In Nordamerika gibt’s nichts Vergleichbares. Da gibt es Pflastersteinstrassen, wunderschöne Französinnen und wir sind dort fast unsichtbar. Die Leute interessieren sich nicht für Indierock Kids, die durch die Strassen ziehen. In New York musste man diese Rolle ja wirklich aktiv spielen. Aber Montreal ist für uns wirklich eine wunderbare geheime Welt. Ich habe kürzlich die Sons And Daughters auf die Vorzüge von Glasgow angesprochen und sie meinten, dass gerade die freundlichen Leute und die vielen Räume den Erfolg der lokalen Musikszene ausmachen. Was ist das Erfolgsrezept von Montreal?
Nun die Leute sind sehr freundlich und es hat viele Räume. [lacht] Als wir ankamen waren die Mietpreise wirklich tief. Inzwischen hat sich das zwar geändert, aber dort wo die Mieten tief sind findet man immer Künstler. Zum Beispiel auch in Berlin. Dort leben ja im Moment wirklich viele Künstler. Tiefe Mieten sind für Künstler wirklich wichtig, denn wenn sie neben ihrer Kunst noch zwei Jobs haben oder gar in einer Zehn-Stunden-Schicht arbeiten müssen, haben sie einfach keine Zeit mehr für ihre Kunst. In Montreal kommt man wirklich mit wenig Geld aus. Gut, ich mir zwei Jahre lang keine Schuhe gekauft. Aber das kann ich jetzt ja nachholen. Wie ist denn der Winter in Montreal?
Der ist wirklich kalt. Aber wir haben unsere Alben immer im Winter gemacht. Alles ist unter einer Schneedecke begraben und man verschwendet keinen Gedanken daran nach draussen zu gehen. Man besticht einfach jemanden mit 10$, dass er in den nächsten Laden geht, um Wein zu kaufen. Am Schluss sitzt man dann eingeschlossen in einem Raum, trinkt Wein und schreibt Songs.
Im Anschluss an das Interview hat uns Amy noch einen wunderbaren Gastklang zusammengestellt. Dass das Konzert dann auch wunderbar war, brauch ich ja wohl nicht noch extra zu erwähnen.
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