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Anna-Lena Gugger und Martin Lüscher unterhielten sich am 14. April vor dem Konzert im Mascotte mit Duncan Lloyd (1.v.l.), Lukas Wooller (2.v.l.) und Tom English (2.v.r.). Die drei Herren von Maxïmo Park sprachen über die kontemporäre Musikszene und wie sie selbst zur Brit-Pop Ära der 90er stehen. |
Es scheint, als ob der heutige Wert der Popkultur nur aus oberflächlichem Konsum bestehe. Die Lyrik und der inhaltliche Gehalt eines Songs verblasst im Hintergrund. Ihr legt trotzdem Wert darauf, lyrisch gehaltvolle Lieder zu schreiben. Glaubt ihr, eure Fans nehmen das auch wahr?
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Tom:
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Ich glaube einige schon. Andere aber auch nicht. Wir sind immer noch
eine alternative Band und achten bei dem was wir tun auf Tiefgang und
Bedeutung. Das ist da für die Leute, die darauf Wert legen. Auf der
anderen Seite veröffentlichen wir unsere Musik für ein breites
Publikum. Wir sind zwar auf einem Indie-Label, aber glücklicherweise
gibt es einen genug grossen Markt für alternative Gitarrenmusik. Wir
landen auch auf einer MTV Playlist und viele Leute konsumieren unsere
Musik, ohne die Bedeutung zu verstehen. |
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Lukas:
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Wir wollen, dass die Leute möglichst lange unsere Musik hören. Darum
haben die Lieder mehrer Ebenen. Es ist
offensichtlich, dass die Leute nicht beim ersten Mal oder gleichzeitig
alle Ebenen wahrnehmen können. Je nach dem wie tief der Hörer gehen
will, gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Wir glauben, die Musik
die wir hören, hat Ebenen, Tiefen und etwas zeitloses. Natürlich sind
wir grosse Musikkonsumenten - Von Musik, die Bedeutung hat und dem
Zuhörer etwas geben kann, statt dass sie sich nur auf Grund von
modischem Konsum rechtfertigt. Myspace hat das Bedürfnis nach dem „next
big thing“ noch mehr verstärkt. Das ist wie eine nie stillstehende Fabrik,
ein endloses Förderband. In ein paar Jahren werden viele dieser Musiker
wieder verschwunden sein. Leute, die sich ein wenig mehr angestrengt
haben, werden aber hoffentlich noch da sein. |
Was glaubt ihr, wie wird sich der Trend von Myspace weiterentwickeln?
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Tom:
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Einige Bands werden überleben, aber der Trend, ständig neue Bands
entdecken zu wollen, wird schlimmer werden. Ob es eine gute oder eine
schlechte Entwicklung ist, ist schwierig zu sagen. Schlecht ist wohl,
dass die meisten Bands nur diese eine Chance bekommen. Niemand ist an
einer zweiten Chance interessiert. Leute wollen etwas Neues, statt
etwas, das sie wirklich mögen – wenn es beides ist: toll! Aber ich
denke, du hast recht: viele wollen nur etwas Neues, weil es neu ist und
sie es zuerst entdeckt haben. Diese Kultur wird sich aber selbst
verzehren. Die Bands, die aufgrund der richtigen Gründe gefunden
werden, werden da bleiben. Die anderen nicht.
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Lukas:
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Ich denke es ist ein goldenes Zeitalter für neue Bands, um gehört zu
werden. Ich bin nicht sicher, dass es je wieder so sein wird. Das
Internet ist noch ziemlich neu. Es wird aber mehr und mehr zensiert.
Myspace und ähnliche Sachen werden weniger frei sein und es wird viel
schwieriger sein, Ideen auszutauschen. Die Leute werden aber immer neue
Wege finden, um zu kommunizieren. Als das Radio auftauchte war es
ziemlich frei. Aber jetzt ist es durch und durch kontrolliert.
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| Tom: |
Jede Radiostation, jeder Fernsehsender und heute alle Internetseiten
wurden und werden kommerzialisiert. MTV war früher nonstop Musikvideos.
Heute sendet es Programme über Unterwäsche.
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Lukas:
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Beispiel John Peel. Solche Programme werden nicht mehr ersetzt. Darum
ist Myspace so eine grosse Sache. Aber ich glaube, in Zukunft wird es
abflachen.
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Tom:
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Man muss vertrauen haben, in Leute, die neue, alternative Wege
herausfinden, um Musik zu präsentieren. MTV wurde kommerziell, aber
danach kam MTV 2. Er wurde auch kommerziell, aber wenigstens spielen
sie alternative Musik. Wenn etwas kommerziell wird, tritt etwas neues
an seine Stelle, das es Indie und Alternative erlaubt, durchzukommen.
Es gibt immer Leute, die diese Musik hören wollen und darum sollte es
auch immer Leute geben, die sie verbreiten wollen.
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Ihr habt gesagt, es ist ein goldenes Zeitalter für neue Bands. Spürt ihr diesen Druck von neuen Bands?
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Tom:
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In Realität gibt es wohl diesen Druck. Wir selbst leiden aber nicht
darunter. Insbesondere als wir unser zweites Album aufnahmen, hätten
solche Gedanken nicht weiter weg sein können. Wir waren komplett mit
dem beschäftigt, was wir machten. Fingen wir an, über solche Sachen
nachzudenken, würden wir scheitern. |
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Duncan:
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Wir haben uns einen Ruf mit
Konzerten erspielt, wir verdanken unseren Erfolg nicht dem Internet..
Wir veröffentlichten unser erstes Album und begannen zu touren, viele
Leute haben uns live gesehen. Auch mit dem neuen Album läuft es gut.
Die Konzerte, die wir angesetzt haben bisher, waren schnell
ausverkauft. Es ist ein gutes Zeichen, wenn die Leute unsere Konzerte
sehen wollen. Das stimmt zuversichtlich und nimmt auch Druck weg.
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Ein Artikel in der NZZ behauptete, dass der Britpop Bewegung der 90er Jahre keine Entwicklung folgte, so wie New Wave die Punk Bewegung weiterführte.
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Tom:
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Nein tut es nicht. Pop New Wave entwickelte sich aus dem Punk, so wie
wir uns vom Britpop entwickelt haben. Das Problem der Britpop Ära war
das Labelling. Es gab jede Menge gute Bands zu der Zeit, wie z.B. Blur
und Suede. Aber dadurch, dass man einfach überall einen Union Jack
draufstempelte und daraus diese Britpop-Kultur kreierte, standen die
wirklich guten Bands plötzlich schlecht da und die schlechten gut.
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Lukas:
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Es hat auch viel mit den Medien und dem Umgang der Bands damit zu tun.
Erst haben sie es in ungesundem Masse hochgepusht, eine riesige
Geschichte, um sie hinterher wieder zu zerstören. Einerseits werden
heutzutage Bands nicht mehr so gründlich in Grund und Boden geschrieben
wie damals beispielsweise Sleeper. Andererseits sind von den Medien
gepushte Bands wie die Arctic Monkeys cleverer im Umgang damit. Sie
haben realisiert, dass sie die einzigen Verlierer wären, würden sie
anfangen, bei blöden Medienspielchen mitzumachen. Es scheint mir, dass
sich die Bands heute wieder mehr auf das konzentrieren, was sie machen:
Songs zu schreiben und live zu spielen.
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Duncan:
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Diese ganzen Britpop Exponenten gingen ja auch alle an die Downing
Street, um Tony Blair zu treffen und sich und das grosse Britannien
abzufeiern, was uns absolut fern wäre. Darauf folgte die Wüste. In den
späten 1990ern und frühen 2000ern war in Grossbritannien nicht viel mehr
los als Robbie Williams. Wir entschieden uns, fernab des Trubels in
Newcastle unser Album aufzunehmen und es an die Leute dort zu
verkaufen. Wir haben sozusagen aus dem Nichts heraus angefangen. Diese
„Do it youself“-Strategien, die auch Bands der Generation nach uns
anzuwenden begannen, sind vielleicht näher bei Punk als bei Brit-Pop.
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Tom:
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Auch produktionstechnisch bewegen wir uns heutzutage wieder näher beim
Punk. Bands wie Blur und Pulp warteten in den 1990ern mit sehr glatten,
poppigen Produktionen auf. Stilistisch bezogen sich die Bands in den
1990ern auf die Sixties, während wir heute den späten Siebziger und
Achtziger wahrscheinlich näher stehen. Unsere Wurzeln liegen auch
weniger ausschliesslich in der britischen Musiktradition, wir
interessieren uns ebenso für amerikanische Bands wie für die Kinks oder
die Rolling Stones. Natürlich ist es schwierig zu generalisieren, aber
ich finde, musikalisch ist im Moment eine grössere Vielfalt vorhanden
als in den Neunzigern.
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For the english version of the interview, click here .
Gastklang von Maximo Park.
Hier gibt es die Klangschau-Besprechung zu Our Earthly Pleasures.
Hier gibt es ein älteres Interview mit Paul Smith.
Hier gibt es noch einen kurzen Schnipsel zum Auftritt von Maxïmo Park im Mascotte vom 14. April 2007.
Hier gleich noch einer.
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