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Mando Diao Interview (deutsch) Drucken E-Mail


(Anna-Lena Gugger) Vor dem Konzert in der Maag Event Hall in Zürich am 14.11.06 haben Gustaf Norén und Samuel Giers der Klangschau ein paar Fragen beantwortet und den von Bandkollege Björn Dixgård zusammengestellten Gastklang kommentiert.


Ich möchte gerne über das Cover von „Ode To Ochrasy“ sprechen. Warum habt ihr genau diese Zeichnung ausgewählt?

Gustaf: Wir möchten junge Künstler unterstützen. Roman Wåhlin war 10 Jahre alt, als er dieses Bild gemalt hat. Wir möchten damit zeigen, dass ein Junge genau so gut oder sogar besser zeichnen kann wie ein Erwachsener. Es ist ein bisschen wie mit der Musik, die wir machen: Man muss nicht erfahren sein dafür, man muss es einfach tun.

Es erinnert mich sehr an die Ästhetik von Art Brut, was ja sehr gut zu den Songs auf „Ode To Ochrasy“ passt . Über diese Kunst von Psychiatrie-Patienten und anderen Outlaws wurde  Anfangs des 20. Jh. geschrieben, es sei die unverfälschte, rohe und wirkliche Kreativität.

Gustaf: Ja, die sind nicht von dem ganzen System drumherum versaut.

Auf eurer Myspace-Seite schreibt ihr, Mando Diao sei ein Clan im Corleone-Stil. In diesen Clans geht’s auch immer darum, sich mittels ungeschriebenen Regeln, Ritualen und einer eigenen Sprache von der Aussenwelt abzugrenzen. Habt ihr ähnliche Dinge, gibt es so etwas wie einen „Mando Diao Code“?

Samuel:  Ich denke, um kreativ zu sein, sollte man eine möglichst eng gestrickte Gruppe sein. Wir verbringen sehr viel Zeit zusammen und kennen uns in- und auswendig. Ich glaube, es ist besser für den kreativen Prozess, wenn man vesteht, wie die anderen denken.

Gustaf: Im Buch „Der Pate“ geht es um ein funktionierendes System, bestehend aus den Caporegimes, dem Paten und der Familie Corleone. Ein System, das auf Blut basiert und nicht auf Können. So ähnlich ist es auch mit Mando Diao:  Wir sind nicht die besten Musiker, aber wir kommen aus der gleichen Stadt, wir haben die gleichen Erfahrungen gemacht. In unseren Adern fliesst dasselbe Blut, wir gehören zusammen, und das macht uns als Band stark.
Auf dieser Tour arbeiten 50 Leute für uns, eine riesige Organisation. Es ist eine Art Wu-Tang Feeling: Wir sind die fünf Original-Clan-Mitglieder in einer „closed chamber“ (Gustaf bezieht sich hier auf die „36 chambers“ des Wu-Tang Clans, die Verf.), und um uns herum die verschiedenen Caporegimes. Wenn wir nicht dieses Clan-Gefühl hätten, würde viel verloren gehen. Es ist ein Weg, um das ganze ein bisschen unter Kontrolle zu behalten.

Nach so vielen Jahren auf Tour: Was bedeutet euch ein einzelnes Konzert noch? Ist es  ähnlich, wie in die Fabrik zu gehen und seine Arbeit zu erledigen?

Samuel: Ein einzelnes Konzert bedeutet vielleicht nicht mehr so viel im grossen Zusammenhang. Auf eine Art ist es Arbeit, aber jede Show ist anders. Es passiert immer irgendwas, und wir haben schon immer am meisten gelernt, wenn wir Konzerte spielen. An dem Punkt, ab dem wir nichts mehr dazu lernen, hören wir auf. Natürlich ist es auch grossartig, die Anerkennung der Fans live zu erleben und nicht nur im Internet zu lesen, dass sie uns gerne mögen.

Gustaf: Wir ändern jeden Tag etwas. Den Soundcheck... Manchmal macht es das schlechter, manchmal besser. Du weißt nie, ob du heute das beste Konzert deines Lebens spielen wirst. Zu wissen, dass du jederzeit diesen Punkt erreichen könntest, macht die Sache sehr interessant. Das Konzert in Fribourg vor zwei Tagen war einer dieser Gigs, bei dem einfach alles gestimmt hat. Einer hat irgendwas angefangen und alle sind ihm gefolgt, wir mussten uns nicht einmal ansehen. An manchen Tagen geht alles in die Hose, wir verpassen einander, wir verpassen jeden Beat, jeder geht einen anderen Weg. In Fribourg gingen alle in dieselbe Richtung, ohne dass wir wussten, welche Richtung das überhaupt war. Wir liessen uns einfach treiben. Das war ein richtig gutes Gefühl!

Samuel: Wir streben immer nach diesem Gefühl, aber es ist trotzdem immer eine Überraschung, wenn’s eintrifft.


Click here for the english version of the interview.

 

 
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