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Go! Team Interview (deutsch) Drucken E-Mail
(RZ) Die englische Version des Klangschau Exklusiv-Interviews mit der Go! Team Frontfrau Ninja und dem Mastermind Ian rund um ein unmoralisches Angebot von McDonalds und die Zusammenarbeit mit Kevin Shields.
Die englische Original-Version dieses Interviews gibt's hier.


Fangen wir mit euren Konzerten an. Was werden all die armen Kerle, die heute Abend zuhause geblieben sind, verpassen? Ich bin mir ziemlich sicher sie werden einiges verpassen.
 
Ian: (lacht) Ich weiss gar nicht so recht. Wir sind ja auf der Bühne und haben uns daher noch nie selber spielen sehen. Aber es wird natürlich ziemlich lärmig. Obwohl so laut dürfen wir heute abend gar nicht spielen. Die Regeln sind da sehr strikt. Also vielleicht wird’s dann doch nicht so lärmig. (lacht) Aber chaotisch wird’s sicher. Wir wechseln ständig die Instrumente. Wir haben Samples, wir haben zwei Schlagzeuge und nach jedem Song rennen alle kreuz und quer über die Bühne, um sich ein neues Instrument zu schnappen. Dazu kommt dann natürlich noch Ninja die ihr Ding macht. Das ganze wird also ziemlich unordentlich und aufregend.

Im Vorfeld dieses Interviews hab ich ein paar Konzertberichte gelesen. Bei all der positiven Energie und dem Konfetti musste ich zwangsläufig an ein Flaming Lips Konzert denken. Haben euch die Flaming Lips beeinflusst?

Ian: Heute haben wir leider kein Konfetti dabei. Aber ich glaube nicht, dass uns die Flaming Lips beeinflusst haben. Den Vergleich haben wir aber schon öfters gehört. Liegt vermutlich an unserer ‚manicness’. Ich hoffe aber und glaube, dass wir eine eigenständige Band sind. Da war auch nie eine andere Band die wir gerne kopieren wollten. Wir machen einfach unser Ding.

Nun zu eurem Album Thunder, Lighting, Strike. Für gewöhnlich stelle ich diese Frage ja nicht, da die Antworten für gewöhnlich ziemlich uninteressant sind. Aber ich bin mir ziemlich sicher eure Antwort wird interessant. Wie zur Hölle habt ihrer dieses Album aufgenommen? Es ist in einem positiven Sinn so chaotisch und ständig passiert was unerwartetes. Da steckt doch sicher eine spannende Geschichte dahinter.
 
Ian: Jetzt steigerst du die Erwartungen aber ins Unermessliche. (lacht) Leider ist die Geschichte nicht ganz so gut. Nach der Arbeit nach hause gehen, Platten hervorkramen, Sachen ausprobieren, kleine Sample ziehen, auf eine Kassette aufnehmen und über Jahre einlagern, Melodien schreiben, in mein Telefon singen. Du siehst ich sammle einfach alles Mögliche und versuche es dann irgendwie zu kombinieren. Manchmal klappt’s und manchmal nicht. Wenn es klappt merk man sofort, dass daraus ein Song werden wird. Dann versucht man etwas weiteres dazuzufügen. Eine Strophe, ein Refrain, eine Bridge oder sonst was. Man bastelt und bastelt. Manchmal Monate, manchmal Jahre und hin und wieder auch nur einen Tag. Ganz nach dem Motto ‚trial and error’.

Anschliessend geht’s darum die Samples und das Zeugs mit echten Instrumenten zu mischen. Da gibt es ganz viele Schichten. Ein Go! Team Song ist nicht einfach nur ein Sample, das sich drei Minuten lang wiederholt. Da steckt wirklich viel mehr drin.

So ist das ganze etwa entstanden. Das Lustige ist ja, dass ich anfangs fast alles alleine gemacht habe und die Band dann erst später dazugenommen habe, um das ganze auch live spielen zu können. Das ganze lief also so ziemlich falsch rum.

Da du gerade die Band erwähnst. Was für einen musikalischen Hintergrund haben eigentlich die Go! Team Mitglieder. Ich vermute mal hier sind ziemlich verschiedene Hintergründe im Spiel.

Ninja: Yeah, wir sind sechs vollkommen verschiedene Personen mit komplett verschiedenen Geschmäckern. Sam spielt ziemlich viele Instrumente. Banjo, Gitarre und noch anderes Zeugs. Er steht eher so auf folkige Musik. Es ist wirklich seltsam. Wir stehen alle auf verschiedene Sachen. Ich weiss jetzt gar nicht was Jamie hört. Was hört Jamie?

Ian: Jamie hört viel so analoge trashige Lärmsachen und funkiges Zeugs und natürlich Bands wie die Super Furry Animals oder die Beta Band. Chi ist ein grosser Divine Comedy Fan. Was sie sonst noch mag, weiss ich jetzt gar nicht. Kaori steht auf lärmige japanische Sachen, wie Polysics und Melt Banana. Einfach so lärmiges Gitarren Zeugs. Ninja steht auf...

Ninja: Ich weiss eigentlich gar nicht so recht auf was ich stehe. Zum Beispiel mag ich Hiphop. Aber dann mag ich auch klassische Musik. Aber dann mag ich auch wieder diese Big Band Musik, so Rat Pack Sachen. Ich habe wirklich einen seltsamen Geschmack. Ich weiss gar nicht wie wir alle mit diesen verschiedenen Geschmäckern überhaupt zusammenkommen konnten. So was kann ja eigentlich gar nicht funktionieren. Aber es funktioniert.

Das wollte ich gleich als nächstes fragen. Wie seid ihr denn überhaupt zusammengekommen?

Ninja: Ian hat uns alle auf ganz unterschiedliche Art und Weise gefunden. Ein paar von uns via Anzeigen und einen Teil durch Freunde von Freunden. Wirklich mehr oder weniger zufällig. Wir kannten uns untereinander auch nicht. Wir haben uns erst bei den Proben im Studio kennen gelernt. Damals dachte ich, dass sich alle schon kenne würden und ich die ‚Neue’ wäre. Aber damals waren wir wohl alle ‚Neue’ und haben uns zum ersten mal getroffen. Es ist wirklich ein grosses Glück, dass es so gut geklappt hat.

Ich hab gelesen, dass euch McDonalds ziemlich viel Geld geboten hat, um einen eurer Songs in einer Werbung zu verwenden und dass ihr abgelehnt habt. War die Versuchung nicht enorm gross etwas zusätzliches Geld zu verdienen und den eigenen Song bekannter zu machen?

Ian: Nein. Für mich nicht.

Ninja: Die wollten uns auch nur mit BigMacs und Pommes bezahlen. Wir wollten aber Geld. Daher mussten wir absagen. (lacht)

Ian: Gerade vor ein paar Wochen hatte ich drei Anfragen in einer Woche. Eine war für eine Joghurt Werbung, eine für einen Supermarkt in Amerika und eine für einen Kleiderladen. Da kommt wirklich jede Woche was rein, ob’s nun eine Titelmelodie oder was auch immer ist. Dieses Dilemma wiederholt sich Woche für Woche. Erst fühle ich mich schuldig, dass ich auf das Geld verzichtet habe. Doch dann bin ich immer ziemlich stolz, dass ich nein gesagt und die Prinzipien hochgehalten habe.
Ich bin immer enttäuscht wenn eine Band ihren Namen oder ihre Musik einem Produkt anheften. Für mich ändert sich dadurch auch mein Verhältnis zu dem Song selbst.
Gerade beim Go! Team glaube ich, dass viele Werber die ‚upbeatness’ unserer Musik mögen und sie gerne mit ihrem Produkt verbinden möchten. Aber für mich würde das einfach alles ruinieren. Jedes mal wenn ich die Werbung im TV sehen würde, würde mir übel.
Zum Leidwesen unserer Publizisten habe ich also bei allen Anfragen nein gesagt.

Gab’s schon Anfragen für eine Autowerbung? Ich könnte mir nämlich eure Musik sehr gut in einer Werbung für einen dieser unsäglich angesagten Geländewagen vorstellen.

Ian: (lacht) Nein, ein Auto noch nicht. Aber ein paar Mobil Telefone und Benzin. Aber ein Auto noch nicht.

Nun zu einer Zusammenarbeit die geklappt hat. Kevin Shields (My Bloody Valentine) wollte ja für euch einen Remix machen oder vielleicht hat er das auch schon und ich hab ihn nur noch nicht gehört. Wie ist Kevin Shields denn auf euch aufmerksam geworden?

Ian: Er war an einem unserer Konzerte im Electric Ballroom in London und unser Label Boss hat ihn nach dem Konzert darauf angesprochen. Anscheinend hat’s ihm so gut gefallen, dass er gleich einen Remix für uns machen wollte. Unsere nächste Single Ladyflash erscheint ja in ein paar Wochen und Kevin Shields wollte es mit Huddle Formation mischen. Also haben wir ihm das Zeugs geschickt. Gestern hab ich seinen Remix zum ersten mal gehört und er klingt wirklich toll. Allerdings nicht wie ein My Bloody Valentine Song. Er hat etwas ganz neues gemacht. Einen neuen Song aus zwei Songs. Wenn du’s hörst, wirst du nicht merken, dass es Kevin Shields war, aber das wollte er auch so.

Ihr seid ja schon ziemlich ‚over the top’ und er ist auch ziemlich ‚over the top’. Ich dachte also das ganze würde so ziemlich etwas vom Übertriebensten werden, was man sich vorstellen kann. Was können wir denn erwarten?

Ian: Es klingt wie das Go! Team. Nur noch mehr so. Wie gesagt, er hat die zwei Songs verschmolzen und das ganze verleitet richtig zum mitsingen [er singt]. Aber man kann sich den Song auf unserer Myspace Seite gratis anhören.

Das mach ich gleich nach dem Konzert. Habt ihr Kevin Shields auch getroffen oder nur die Kassetten geschickt?

Ian: Bei Remixes ist es eigentlich immer so, dass man die andere Person nie wirklich trifft. Sie senden dir einfach die Audio Dateien und du bastelst dann in deinem Schlafzimmer daran herum. Man erfährt dann aber nie was die andere Person davon hält. Ich hab ja auch schon ein paar Remixes gemacht: Bloc Party, Roots Manuva, Hot Chip, Polyphonic Spree. Aber ich hab von keinem je gehört, ob’s ihm gefallen hat oder was er davon hält.

Zum Schluss werfen wir noch einen Blick in die Zukunft. In welche Richtung geht’s mit dem Go! Team weiter?

Ninja: Links! (lacht) Wir wissen es eigentlich noch nicht so recht. Erst gehen wir mal drei Wochen nach Australien an die Big Day Out Tour. Danach machen wir eine grosse UK Tour im Februar, danach geht’s nach Irland und Frankreich und danach geht’s für ein paar Wochen nach Amerika. Wer werden also ziemlich bald ziemlich müde sein. Das wird wirklich ein Stress. Aber das wär’s dann mit dem Touren, denn Ian hat noch viel Arbeit vor sich. Hast du doch?

Ian: Oh, ja. Wir haben zwar schon zwei neue Songs, die wir auch live spielen. Aber es dauert wirklich lange bis ein Go! Team Song fertig ist. Man kann nicht einfach eine akustische Gitarre nehmen und mal so schnell einen Go! Team Song raushauen.

Ninja: Wir sind ja auch nicht Coldplay. (lacht)

Ian: Ich denke mal die neue Platte dürfte etwa in einem Jahr erscheinen. Aber wer weiss das schon so genau. Ab Mai werden wir auf jeden Fall zurück im Studio sein und mit den Arbeiten am neuen Album beginnen. Hoffentlich hab ich bis dann schon ein paar Songs zusammen.

 
5.12.2005, Mascotte, Zürich



Gastklang: The Go! Team
Live Mitschnitt: The Go! Team

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