(Chris) Ich fürchte es gibt dafür nur eine sehr unspektakuläre Antwort. Wir haben den Namen wegen dem Wortklang ausgesucht, übrigens genau wie bei den Songs „Bullets“ und „Munich“. Ich finde es oft schwieriger Namen für die Songs zu finden, als die eigentlichen Texte zu schreiben. Diese Worte stehen einfach für sich selbst und schauen noch dazu auf Papier recht gut aus.
In dem Fall geht es euch auch um euer Auftreten?
(Ed) Ja ganz bestimmt. Man muss sich als Band auch um das Erscheinungsbild kümmern. Wir wissen deshalb ziemlich genau wie unser Image aussehen sollte, was zu uns passt und was nicht. Fürs Album haben wir ein Titelbild gewählt, dass einen förmlich hinein zieht. Dieses Thema haben wir auch für unsere Singles beibehalten.
Findet ihr eure Musik so schwarz/weiss wie euer Plattencover?
(Chris) Ich glaube nicht. Vielmehr ist dort wo Licht ist auch Schatten. Die Kontraste sind besonders reizvoll. Deshalb folgen auf etwas sehr ruhiges gern mal sehr laute Töne. Schwarz/weiss schaut einfach auf der Bühne sehr gut aus.
(Ed) Vielleicht gestalten wir unser nächstes Album ja in Neonfarben.
(Chris) Und benutzen Feuer auf der Bühne. Wie Rammstein.
(Ed) Au ja.
Pyro all the way!
Eure erste Single war nach dem ersten Tag in den britischen Läden ausverkauft …
(Ed) Das stimmt. Allerdings haben wir ein bisschen geschummelt. Es war eine streng limitierte Auflage. Da gab es nicht x-Tausend Stück. Aber immerhin, wir haben alle an einem Tag verkauft.
(Chris) Wir hatten nur eine Auflage von 500 Vinyl und 1.000 CDs. Allerdings waren davon bereits am Montagvormittag 922 verkauft. Das kann ja nicht schlecht sein.
Wie verändert so ein Erfolg das Verhältnis zur eigenen Musik? Schaut man sich selbst mehr beim arbeiten zu? Überlegt man sich, was die Leute denn so gut daran finden? Vergrössert sich der Druck?
(Ed) Ganz sicher. Aber es ist gut etwas mehr Druck zu spüren. Bevor wir etwas veröffentlicht hatten, war da immer eine handvoll Fans die bei jedem Gig unter den Zuschauern waren und mitsingen konnten. Aber wenn die Mehrheit der Zuschauer eine Melodie erkennt und darauf reagiert, dann ist das schon ein grossartiges Gefühl. Da will man natürlich sofort mehr solche Songs schreiben, damit die Zuschauer öfter reagieren können. Dass die Leute deine Musik kennen macht die Sache viel spannender.
An den Festivals bei denen ihr dieses Jahr aufgetreten seid, haben die Leute sogar mitgesungen …
(Chris) Diese Festival-Kiste ist irgendwie eigenartig. Ich hatte nicht gedacht, dass es für uns so gut laufen würde. Ich selbst habe früher Festivals nie leiden können. Da spielen wir nun in Glastonbury um zwei Uhr am Nachmittag und die Wolken reissen das erste Mal am Tag. Ich dachte die Leute würden grillen gehen. Stattdessen war ganz gut was los.
Für uns ging es so richtig los nachdem das Album draussen war. Die erste Tour war schon hart, die zweite wahnsinnig. Unsere Zuschauerzahlen verdoppelten sich. Die Leute fingen mit dem pogen an und es gab auch crowd surfing. Unsere Konzerte bedeuten den Menschen seither etwas, das ist sehr aufregend.
Ihr ward bereits Vorband von Franz Ferdinand und werdet es bald wieder sein. Wie ist es denn für die den Opener zu geben?
(Chris) Das ist keine schwierige Sache. Das sind richtig coole Jungs. Die haben dafür gesorgt, dass wir nicht die geringste Arbeit selbst machen mussten. Wir wurden verpflegt, mussten gerade mal unseren Soundcheck selbst machen und keine Kabel hin und her tragen. Dann waren wir so gegen neun fertig mit unserem Programm und wussten nicht so recht, was wir mit dem Rest des Abends anfangen sollten.
Funktioniert eure Musik überhaupt so früh? Ich finde eure Musik passt besser in die Dunkelheit.
(Ed) In einer Arena macht die Uhrzeit keinen Unterschied. Dort ist es dunkel, sobald jemand das Licht ausknipst. Ausserdem finde ich, dass wir musikalisch sehr gut zu Franz Ferdinand passen. Wir sind zum einen verschieden genug, dass man beide Shows am Stück interessant finden kann. Musikalisch dann aber wieder nicht zu weit auseinander. Sodass die Franz Ferdinand Fans neben guten Pop Melodien auch das ein oder andere unserer Lieder gut finden können.
(Chris) Und diese Fans können auf jeden Fall sehr gut tanzen.
(Ed) Sowas habe ich noch nie gesehen.
Schaut so aus, als würdet ihr euer Leben als Editors und auf Tour sehr geniessen. Ich habe mal gelesen, dass ihr Angst davor habt, dass eure Band mal zu gross wird.
(Chris) Wir sind erst am Anfang. Man versteht das leichter, wenn man in Grossbritannien aufgewachsen ist. Dort ist man umgeben von diesen grossen Musikmagazinen die eine Band aufblasen können, noch bevor sie es verkraften kann. Dabei gehen dann immer wieder ein paar talentierte Musiker verloren, noch bevor sie ein Album draussen haben.
Wir haben unsere Grenzen glaub ich immer ganz gut eingeschätzt. Unser Album ist erst nach unserer zweiten oder dritten UK-Tour erschienen. Jetzt sind wir gerüstet, so gross zu werden, wie es unsere Songs erlauben.
Jetzt wo’s läuft, wie geht es weiter?
(Ed) Wir gehen nach Amerika, das ist eine wirklich grosse Sache für uns. In Amerika sind die Hörer und die Konzertbesucher einfach anders. Das macht es wieder sehr spannend, aber auch anstrengend für uns. Da muss man sich sieben oder acht Wochen in einer Tour den Hintern aufreissen und hat trotzdem nur an der Oberfläche gekratzt. Danach werden wir wahrscheinlich wieder ins Studio gehen.
Wir hatten’s ja gerade vom Druck. Unser Debut ist in Grossbritannien und Europa sehr gut gelaufen. Jetzt müssen wir unsere Musik irgendwie weiterentwickeln. Wir brauchen frische Ideen und wollen sie aufs nächste Album brennen. Deswegen ist unser nächstes Album eigentlich die grössere Herausforderung. Aber die Amerika-Tour ist trotzdem sehr spannend.
Was unterscheidet die amerikanische Musikszene denn von der europäischen?
(Chris) Die Grösse! Man kann schon nach LA und New York fahren. Das sind die trendsetter. Aber um deine Musik so richtig unters Volk zu bringen, musst du auch in die kleineren Städte. Dort sind die Leute in manchen Gegenden schon etwas anders gepolt. Trotzdem wollen wir auch die unterhalten, wenn ihnen unsere Musik gefällt.
Habt ihr etwa Bedenken gegenüber small-town America?
(Chris) Ja! [lacht]
Aber solche Plätze gibt es weltweit. Vor einem Jahr hätten diese Leute mich vielleicht noch im Bus verprügelt, heute kommen sie zu unseren Shows. Wir kriegen sie alle.
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