 | (Rafaël Zeier) Das Klangschau Exklusiv-Interview mit Client über mp3s, Internet und Myspace anlässlich ihres Konzertes am diesjährigen Poolbar Festival. |
Als ich in den Backstageraum betrat wart ihr gerade dabei eure Homepage zu aktualisieren. Seit wann seid ihr denn schon derart aktiv im Internet? Client E: Es ist in erster Linie unser Forum. Los ging das schon vor einer ganzen Weile als sich immer mehr Fans von elektronischer Musik darauf einfanden und begannen darin über Songs zu diskutieren und sich zu vernetzen. Inzwischen ist dieses Forum schon fast eine Webseite für sich geworden. Nebst dem Forum habt ihr auf eurer Seite aber auch viele mp3s mit Demos und anderen Sachen ... Client B: Ich glaube es ist gut Sachen gratis wegzugeben. Es ist eigentlich eine Goodwill-Aktion. Die Leute laden Musik ja sowieso runter, aber wenn man eine Geste macht und sagt „Seht her, wir geben die Songs gratis weg“, ja dann ist das wirklich eine Goodwill-Aktion. Client E: Es ist natürlich auch grossartig, wenn die Leute gleich hören können was wir machen. Statt lange zu schreiben, was wir gerade machen, können wir die Demos einfach online stellen. Im Moment haben wir gerade die The Rotherham Sessions online. Das sind die Demos für unser nächstes Album. So können sich die Leute die Songs anhören und uns danach im Forum Feedback geben. Client B: „Ändert die Bassline!“ „Oh, ich mag den Text nicht.“ Client E: „Ihr solltet diesen Gastsänger holen.“ Client B: Gerade gestern gab’s eine grosse Diskussion über Neil Tennant (Pet Shop Boys). Client E: Im Forum wollten sie, dass wir Neil Tennant als Gastsänger für einen Song holen. Wir waren ja gerade kürzlich ihre Vorband und hätten Neil ja auch tatsächlich fragen können. Aber wir waren viel zu beeindruckt und brachten nicht viel mehr als „Oh, we love you.“ über die Lippen. Client B: Und ich hab mich ständig an meine vielen Kommentare über Neils Wimpern erinnert. Client E: Irgendwie schaffst du es in jedem Interview Neil Tennants Wimpern zu erwähnen. Ihr habt ja sogar Gästelistenplätze für euer Pet Shop Boys Konzert noch kurz vor dem Konzert auf Myspace verschenkt. Client B: Oh ja. Da haben sich unglaublich viele Italiener darauf gemeldet. Wir mussten dann immer erklären, dass das Konzert in Liverpool und nicht in Italien ist. Client E: Wir haben eben erst am Konzert erfahren, dass wir noch 10 Gästelistenplätze hatten. Also sind wir schnell ins Internet und haben eine Myspace Bulletin gepostet. Myspace nutzen wir sowieso sehr fleissig, da es einfach Leute auf der ganzen Welt sofort erreicht. Und so hatten wir halt all die Leute, die geschrieben haben „Oh, Pet Shop Boys!“ oder „Ach, wir würden ja so gerne kommen, aber wir leben viel zu weit weg.“ Das war wirklich lustig zu sehen, wie schnell die Leute reagieren, wenn man so was ins Internet stellt. Das Internet ist wirklich wunderbar für Bands. Wenn man zum Beispiel sagt, wir spielen da und da in 30 Minuten ein Konzert, dann tauchen tatsächlich Leute auf. Das letzte mal kamen etwa 5 Leute nur dank dem Internet. Wirklich nette Leute. Sogar zwei aus Irland. Es ist wirklich toll mit Leuten direkt zu kommunizieren, die an ein Konzert kommen. Gerade für Sarah (Client B, die Sängerin) ist es gut, wenn sie weiss, dass ein paar Leute die uns mögen im Publikum sind. Client B: Das ist immer der stressigste Moment, wenn man zum ersten Mal auf die Bühne kommt. Doch wenn dann jemand „Sarah“ ruft, dann weiss ich, dass mich wenigstens jemand mag. [lacht] Das ist wirklich wunderbar, wenn man das so als erstes hört. Seid ihr denn inzwischen zu richtigen Computer- und Internet-Experten geworden? Client B: Oh, nein. Ich bin eine richtige Computer-Niete. Sobald ich einen Computer einschalte bricht das Chaos los und ich hänge eine Stunde an der MAC-Helpline um das Problem in den Griff zu bekommen. Kate (Client A) und Emily (Client B) sind unsere Computer-Experten. Obwohl, ich hab ihnen gesagt, dass wir ein Myspace-Konto brauchen. [Client A und E johlen und klatschen.] Client A [aus dem Hintergrund]: Gut gemacht Sarah! [alle lachen] Client E: Nein, Myspace ist wirklich nützlich. Wir brauchen es auch für unseren Club (Being Boiled). Jetzt haben wir sogar eine Client-Art Seite. Auf der können Leute Fotos und Videos posten. Ich habe vor kurzem mal auf Youtube nach bizzaren Filmen über uns gesucht und ein paar ganz lustige gefunden. Da gibt’s zum Beispiel einen von italienischen Mädchen. Oh Kate, den musst du ihm zeigen...
Das besagte Video ist leider auf Youtube gerade nicht zu finden. Aber das ist ja auch was: http://www.youtube.com/watch?v=gGTtH_qCvAA
Client E: Diese zwei Mädchen haben ihr eigenes Video zu Down To The Underground gemacht. Wirklich grossartig und äusserst lippensynchron. Aber das ist wirklich die Stärke des Internets. Man macht etwas und das inspiriert dann wiederum andere Leute. Es ist wie eine kleine Community für all die elektronischen Bands. In unserem Club versuchen wir auch immer Bands zu buchen, die mit Enthusiasmus dabei sind und wissen was sie tun. Die bringen dann auch ihre Leute mit und treffen in unserem Club dann wieder andere ähnlichgesinnte Leute. Client B: Es ist sowieso unglaublich, wie schnell Mund zu Mundpropaganda mit all den neuen Technologien heutzutage geht. Inzwischen kommen die Kids ja mit ihren Telefonen an Konzerte und filmen...
Client E: ... und verschicken es anschliessend per Mail. Client B: Es ist doch auch unsinnig an Konzerten Videokameras zu verbieten, wo man das doch inzwischen mit Telefonen machen kann. Vor ein paar Tagen war ich an einem Konzert, da durfte einer seine Videokamera nicht mitnehmen. Nein wirklich! Das ist doch wunderbar, wenn am nächsten Tag all diese kleinen Videos im Netz auftauchen. Aber seht ihr denn auch Nachteile des Internets?
Client B: Klar. Es wird halt immer schwieriger seinen Lebenunterhalt als Künstler zu verdienen, da die Leute inzwischen erwarten, dass es alles gratis gibt. Es nimmt den Künstlern sprichwörtlich das Essen wieder aus dem Mund. Inzwischen ist es auch so, dass Künstler entweder einen Millionenvertrag angeboten bekommen oder gar keinen. Es gibt einfach kein Zwischending mehr. Aber andererseits bekommen die Künstler auf die Weise die Kontrolle zurück. Musiker machen Musik wieder für sich bei ihnen zuhause und organisieren ihre Sachen selbst. Es ist wirklich „complete power to the artists“. Client E: Und Leute können uns auch direkt buchen und direkt mit uns sprechen. Wir versuchen dann auch immer so oft wie möglich selbst zu antworten. Aber es gibt natürlich auch seltsame Sachen. Zum Beispiel, wenn man auf Google nach Client sucht, kann es schon vorkommen, dass man nicht ganz das findet, was man erwartet hat. Da muss man schon auch etwas vorsichtig sein, wenn Leute deine Sachen übernehmen. 15 Songs ausgesucht von Client A, B und E
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Zum Schluss noch zwei Konzertberichte des äusserst ereignisreichen Client Konzertes:
Zum einen einen äusserst kompetenten und wohlwollenden von Carola Kilga (Poolbar).Zum anderen einen etwas überkritischen von Daniel Furxer (The Gap), der zu Recht das dramatische Finale verpasst hat.
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