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Calexico Interview Drucken E-Mail
  
(JF/JG) Ein Interview mit Joey Burns vor dem Auftritt von Calexico am poolbar Festival 2005 in Feldkirch.


Das letzte mal als man Calexico hierzulande sehen konnte war, das in Michael Mann’s Film Collateral. Während dem Film tretet ihr in einer Barszene kurz auf und spielt „Guero Canelo“. Wie kam es dazu?

Joey Burns: Ja, ich war ziemlich überrascht als unser Agent am Neujahrstag anrief. Er meinte, dass Michael Mann angefragt hätte, ob wir in seinem Film auftreten wollen und auch etwas von unserer Musik spielen wollen. Mir gefiel die Idee und es war schön in Los Angeles zu sein. Ich fühle mich dort sehr wohl, ich bin dort in der Gegend aufgewachsen. Mir gefällt wie der Film die Stadt einfängt. Vielleicht ist die Story nicht ganz so stark, aber dank der grossartigen Bilder hat der Film durchaus etwas mystisches.


Gerade weil Los Angeles die geheime Hauptrolle in diesem Film hat, war es eigenartig Calexico darin zu sehen. Eure Songs handeln meistens von ruhigen Landschaften oder einsamen Einzelschicksalen.

Nun, unsere Heimatstadt Tucson ist mit 900.000 Einwohner auch schon ganz schön groß. Wir leben dort in einem Stadtteil, in dem noch sehr viel Bewegung ist. Viele Leute ziehen hin, ein paar ziehen weg; das hält alles im Wandel. Und es ist oft diese Urbanisierung, das Anwachsen von Städten und dessen Auswirkungen auf Menschen und Natur, was im Thema unserer Musik und unserer Texte verarbeitet ist.

 
Heutzutage sind Städte nicht nur eine Faszination sondern auch ein Angriffsziel.

Ich halte das für eine Art historisches Echo. Wenn man einen Schritt zurück von der Hektik der Tagespolitik macht, erkennt man das schnell. Ich denke da an die Bilder aus den 80ern, auf denen Donald Rumsfeld Saddam Hussein die Hand schüttelt, um die amerikanische Unterstützung im Krieg gegen den Iran zu besiegeln. Es ist einfach zu offensichtlich. Staaten treiben stets ihre eigenen Interessen voran. Sie wollen immer mehr Wohlstand erreichen und dabei zunehmend weniger teilen. Ich glaube es ist diese Einstellung die nun das erwähnte Echo hervorgerufen hat.

 
Dein Gedanke passt recht gut zum Ort eines eurer letzten Konzerte in der Schweiz, der Roten Fabrik. Sucht ihr eure Konzertorte nach ihrem Publikum aus? Ist Calexico eine derart politische Band?

Ich halte jede Handlung für politisch, sobald sie mit einer Wahl verbunden ist. Wir versuchen an Orten zu spielen, die zu uns und unserem Musikstil passen. Sobald man einen Fuss aufs Konzertgelände setzt, merkt man wo man gelandet ist. Vom freiwilligen Helfern bis zum Clubbesitzer zeigen einem alle, was für eine Philosophie der Ort besitzt und welche Gäste dort willkommen sind.

 
Ihr wart gerade mit Iron & Wine im Studio. Können wir da ein Album oder sogar eine Tour erwarten?

Ein gemeinsamer Freund von Sam Beam und mir hat das eingefädelt. Erst habe ich ein paar Songs mit Sam aufgenommen. Dann aber auch Sam zusammen mit Calexico. Daraus ist dann eine EP mit sechs, sieben Liedern entstanden. Sie wird im Herbst veröffentlicht. Wir werden auch zusammen touren, erst mal nur in den Staaten. Nächstes Frühjahr dann hoffentlich auch in Europa.
Mir würde es gefallen ein paar Konzert mit vielen Special Guests zu spielen. So akustisches Singer/Songrwirter-Zeug. Ein paar Sachen kann man einfach sehr gut in Europa ausprobieren. Unsere Konzerte mit den Mariachi waren damals auch so ein Versuch.

 
Die Mariachi mit ihrem mexikansichen Folk waren sicher ein wichtiger Einfluss für eure Musik. Gibt es noch andere lateinamerikanische Musik, die man hören sollte, um Calexico zu verstehen?

Für mich geht das quer über die Landkarte. Ich mag argentinischen Tango genauso wie portugiesischen Fado. Beim Fado gefällt mir zum Beispiel Maria Rodriquez sehr gut. Je älter desto besser. Diese Frauen kriegen mit 60 oder 70 eine Stimme, die voll von Erfahrung ist und aus dem Inneren heraus kommt. Die kriecht einem ins Unterbewusstsein, zumindest in meines. Ansonsten mag ich auch aktuelle Weltmusik wie das Gotan Project oder Manu Chao.

 
Manu Chao hat vor kurzem ein gemeinsames Projekt mit einem Zeichner beendet. Hast du auch vor, mal das Medium zu wechseln?

Zusammen mit John habe ich mal die Musik zu einem Hörbuch aufgenommen. Der Autor hiess Lawrence Clark Powell. Er lebte damals in Tucson und hat mit dem Hörbuch die Geschichte der Gegend aufbereitet. Das ist aber schon eine Weile her.

30.7.2005; © Klangschau 2005


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Mehr Informationen zu Calexico gibt's auf der Homepage der Band: www.casadecalexico.com

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