| (Rafaël Zeier) Das Klangschau Exklusiv-Interview mit dem Belle & Sebastian Mitglied der ersten Stunde und Gitarristen Stevie Jackson anlässlich des Konzertes vom 3.5.2006 in der Roten Fabrik zu Zürich. | Ich dachte ja ihr würdet auf Tour gar keine Interviews geben. In den letzten Jahren hat sich das etwas geändert. Jetzt fühlt es sich irgendwie besser an. Aber eigentlich haben wir uns diesen Ruf in erster Linie eingehandelt, da unser Sänger Stuart Murdoch ein paar Jahre lang keine Interviews gegeben hat. Aber jetzt wenn man auf Tour ist, ist das einfach ein fixer Punkt im Tagesplan. Aber ich mach das inzwischen auch ganz gerne. Wenn wir schon bei der Tour sind, wie macht ihr denn eure Setlists? Ändert ihr die täglich? In der Regel schreibt Stuart die Setlisten. Wir haben so eine Art Struktur mit Songs die einen mehr oder weniger fixen Platz haben. Die restlichen Plätze füllen wir dann je nach Lust und Laune mit Songs aus unserem inzwischen doch recht grossen Repertoire. In letzter Zeit haben sich unsere Sets aber nicht mehr so stark von Konzert zu Konzert geändert wie früher. Wir versuchen uns etwas auf das neue Album zu fokussieren. Aber wenn wir zum Beispiel, wie in Paris, 2 Konzerte spielen, können wir trotzdem garantieren, dass es an beiden Abenden komplett andere Setlisten geben wird. Nun zu eurem neuen Album The Life Pursuit. Ich bin nicht mehr ganz sicher aber ich glaube im Dezember 2005 ist es bereits im Internet aufgetaucht. Fast zwei Monate vor der offiziellen Veröffentlichung Wie ist das für einen Künstler, wenn sein Album so früh schon im Internet auftaucht? Ach so ist das nun mal, das ist doch inzwischen ganz üblich. Also ich persönlich beschwer mich da sicher nicht. Ich finde es eher schmeichelhaft, dass es Leute gibt, die das Album unbedingt hören wollen und nicht mehr warten können. Zudem kaufen sich die Leute, die so viele Mühen auf sich nehmen um unser Album zu hören, das Album dann trotzdem noch. Ich glaub wirklich nicht, dass uns das schadet. Viel eher glaub ich, dass wir sogar noch davon profitieren. Und ganz ehrlich ich hätte mir sogar etwas Sorgen gemacht, wenn das Album nicht im Internet gelandet wäre. Auf euren letzten beiden Alben hattet ihr jeweils mit Trevor Horn und Tony Hoffer ziemlich berühmte Produzenten. Wie muss man sich das vorstellen, wie seid ihr zu ihnen oder sie zu euch gekommen? Bei uns kommen eigentlich immer die Produzenten auf uns zu. So war’s mit Trevor und so war’s auch mit Tony. Aber bei beiden wussten wir, nachdem wir grob fünf Minuten mit ihnen in einem Raum waren, dass das was Tolles werden würde. Und wie unterschieden sich die Herangehensweisen dieser zwei Produzenten? Die Platte (Dear Catastrophe Waitress), die Trevor gemacht hat, war sowieso etwas speziell, da sie doch etwas mehr auf Orchester und Arrangements setzte, wohingegen die Platte mit Tony (The Life Pursuit) viel direkter klingt. Einfach der Klang einer Band in einem Raum. Natürlich gibt’s auch auf The Life Pursuit ein paar Overdubs hier und da, aber nicht allzu viele. Beide Produzenten haben versucht unseren live-Sound einzufangen. Trevors Platte war vielleicht etwas polierter, aber das war schon bei beiden ein zentrales Element. Beiden war auch gemein, dass sie uns wirklich geholfen haben den Focus, die Übersicht zu behalten und vorwärts zu kommen. Würdet ihr denn mit beiden wieder zusammenarbeiten wollen? Oh ja, sicher. Für Trevor waren wir ja wirklich so eine Art Ferienjob. Normalerweise arbeitet er ja für die ganz Grossen, wie Cher, Tina Turner und Rod Stewart, oder produziert Musik für Hollywood Blockbusterproduzenten wie Jerry Bruckheimer. Er ist wirklich ein unglaublich erfolgreicher Kerl. Aber nebenher hat er ganz gerne so kleine Projekte, die ihm auch etwas Abwechslung bieten. So haben ihm seine Kinder unsere Platten vorgespielt und er fand sie eigentlich ganz gut. Nur meinte er sie könnten durchaus besser klingen. [lacht] Normalerweise könnten wir uns Trevor Horn ja gar nicht leisten. Aber sie haben uns damals ein wirklich gutes Angebot gemacht. Da konnten wir einfach nicht nein sagen. Also haben wir uns auch etwas einen Spass daraus gemacht. Aber das heisst natürlich nicht, dass wir nicht bei der Sache gewesen wären. Ganz und gar nicht. Es war einfach etwas Aussergewöhnliches. Ja und mit Tony würde ich natürlich auch gerne wieder arbeiten. Mal schauen, wie’s weiter geht. Kommen wir gegen Ende des Interview-Teils (Den anschliessend aufgezeichneten Gastklang gibt’s hier.) noch kurz auf die von mir sehr geschätzten V-Twin zu sprechen. Du warst da ja nur am Rande mit dabei, aber kannst du uns sagen, ob’s V-Twin überhaupt noch gibt? Ich bin mir nicht ganz sicher. Ich glaube ehrlich gesagt, dass es sie nicht mehr gibt, aber bei denen ist man nie ganz sicher und fast alles möglich. Aber es gibt eine neue Band die 1990s. Da ist der V-Twin Schlagzeuger dabei und der Schlagzeuger von Yummie Fur, John. Oh, und der V-Twin Sänger ist ihr Manager. Die 1990s könnten also durchaus die Nachfolger von V-Twin werden. Es wäre natürlich schade, wenn es V-Twin nicht mehr gäbe. Aber sie haben ja ein grossartiges Album und ein paar nicht weniger grossartige EPs rausgebracht. Zum Schluss noch eine Frage, die ich eigentlich jeder Band aus Glasgow (vgl. Sons And Daughters Interview) stelle. Wie erklärst du dir, dass aus Glasgow immer wieder derart wunderbare Bands kommen? Das hat sicher historische und geographische Gründe. Glasgow ist eine Hafenstadt und die grösste Stadt Schottlands. Die Musik war einfach schon immer dort und wird auch immer dort sein. Ich denke mal es liegt auch am Zusammentreffen verschiedener Kulturen. Die Iren mit ihrer Folkmusik und die Schotten mit der ihren. Dann kommen noch Country, Rock N’ Roll und Dance-Musik dazu. In Glasgow gibt es wirklich nahezu alles. Dazu kommen natürlich die vielen Konzertlokale. Es ist wirklich keine Kunst als Künstler einen Auftritt zu bekommen. Und falls das doch nicht klappt, gibt’s immer noch unzählige Open Mic Veranstaltungen, wo nun wirklich jeder mitmachen kann. So etwas gibt es eigentlich 7 Tage die Woche. Ich und ein paar Kollegen haben damals vor ein paar Jahren vermutlich die erste solche Veranstaltung organisiert. Inzwischen gibt es aber eben unzählige davon. An so einer Open Mic Veranstaltung hab ich damals übrigens auch Stuart kennengelernt.
Die Klangschau Rezension von The Life Pursuit gibt es hier. Einen Klangschau Bericht des B&S Konzertes in Zürich gibt es hier. Einen Klangschau Bericht eines B&S Konzertes in Paris gibt es hier. Den Gastklang von Belle & Sebastian gibt es hier. |