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| Eigentlich hätte Sandro Büchler die Fratellis ja schon am letzten Freitag treffen sollen, aber der Sturm Kyrill machte dem (und vermutlich noch vielen weiteren Vorhaben) einen Strich durch die Rechnung. Dank der Erfindung der ortsunabhängigen Kommunikation hat das Interview nun aber doch noch geklappt.
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Sandro Büchler: Wir hätten uns eigentlich letzten Freitag treffen sollen, aber ihr hattet Probleme mit dem Flugzeug, wegen dem Sturm Kyrill.
Barry Fratelli: Ja, unglücklicherweise. Es war ein Albtraum! Wie fühlst du dich jetzt? Es geht mir gut, Mann! Wir kommen ans Ende der Tour, es war toll bisher. Es ist eine gute Erfahrung im Ausland zu spielen. Es ist schön, dass das Publikum das fühlt… Die mögen uns genauso wie zu Hause. Wie ist das Tour-Leben? In Ordnung! Es ist einfach Tour-Leben, Tour-Leben. Man gewöhnt sich dran. Manchmal kann man es geniessen, manchmal hasst man es. Vor einer Woche habt ihr zum ersten Mal in der Schweiz gespielt, ihr habt sogar eure Europa-Tournee in Zürich angefangen. Mögt ihr das Schweizer Publikum? Es war wirklich fantastisch. Ich kann das am Telefon schon einfach so sagen… Aber wie du gesagt hast, es war der erste Tag auf Tour und wir waren unsicher, was uns erwartet. Wir wussten ja nicht wie das Schweizer Publikum so ist. Es war angenehm, dass es wie zu Hause war. Verrückt und abgedreht, die Leute sprangen umher. Uns und dem Publikum hat’s gefallen. Ja, genau. Das Schweizer Publikum scheint euch ganz offensichtlich zu mögen, euer Auftritt wurde nämlich in eine grössere Halle verlegt. Oh, das ist ein gutes Zeichen, Mann! Ganz viele wollten The Fratellis sehen! Yeah, wir hätten das wirklich nicht erwartet. Wir wussten, dass es kurzfristig verlegt wurde, aber ich dachte wegen der Sicherheit. Ein grossartiger Raum, wo wir gespielt haben. Ich kann mir vorstellen, dass andere Bands beim ersten Mal ein einem engen Pub spielen. Für uns war es natürlich schön, rüber zu kommen und gleich in einem so grossen Club zu spielen. 900 Leute waren in etwa da…? Ich bin mir nicht sicher, ob es so viele waren…? Ich glaube so viele waren es. Ich kann auch lügen – oder vielleicht denke ich an einen komplett anderen Ort! Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es etwa 900 Leute waren. Ich seid sehr beliebt und das obwohl euer Album zum Zeitpunkt des Konzertes in der Schweiz noch nicht veröffentlicht war. Wie erklärst du dir eure Popularität? Da hab’ ich keine Ahnung! (lacht) Es ist schon ein Ding, das mich manchmal amüsiert. Ich dachte an 200-300 Leute. Gerade weil auch das Album noch nicht draussen war. Aber in einem Club dieser Grösse zu spielen… Die konnten alle Songs mitsingen! Die müssen das schon irgendwie gehört haben… Es war ein beachtlicher Einstand. Es war gut, Mann! Eine richtig tolle Nacht, genau richtig um eine Tour anzufangen, nach einem solchen Albtraum am Tag vorher. Nach so einem solch beschissenen Tag anzukommen und dann dieser fantastische Gig. Das war klasse! Ich hab’ gelesen, dass ihr euren ersten Auftritt vor gerade mal 2 Jahren hattet. Jetzt erobert ihr Europa scheinbar in Windeseile. Wieso seid ihr so schnell? Wir sind halt alle sehr gut in dem was wir machen. Das ist kein grosses Geheimnis. Vorher waren wir in anderen Bands, da lernt man von Fehlern. Was man tun kann und was besser nicht. Es ist wichtig, dass man Nein sagen kann. Mit Managern und Leuten und so, die wollen nur… Du musst alles tun. Manche dachten wir seien eine junge Band; als wir 18 oder 19 Jahre alt waren, hätten wir alles so gemacht, wie es die uns vielleicht gesagt hätten. Es macht uns als Band stärker, wenn man sagen kann, wo’s lang geht. Du bestimmst und musst dich nicht anpissen lassen. Irgendwer von euch Dreien sagte mal, dass die Arctic Monkeys nur Mittelmass sind. Was macht ihr denn raffinierter? Ich hab’ das nicht gesagt. Ich selbst höre ihre Musik nicht. Was aber nicht heisst, dass ich schlecht über sie denke. Es ist gut, was sie machen, sie sind an sich gute Musiker. Ich weiss nicht, wo der Unterschied zu uns liegt. Sie sind einfach populärer als wir… Aber ihr klaut eure Musik ja auch nur zusammen, bedient euch bei anderen Stilrichtungen? Bumping - good word! (lacht; to bump ist Glasgow-Slang für „Stehlen“ oder „Klauen“, Anm. d. R.) Seid ihr anders als momentan gehypte Bands aus Grossbritannien? Ihr habt auch einen Mix aus verschiedenen Musikstilen. Wo ist da der Unterschied? Das macht doch jede Band. Ich mein, jede Band wird von anderen Bands beeinflusst – oder sie bedient sich in der Vergangenheit. Es wurden schon so viele Akkorde und Noten geschrieben. Es muss nach einem selbst klingen und eigenständig sein. Viele beschreiben uns als natürlich. Dies aber nur, weil viele Bands, die wir mögen und hören 30 oder 40 Jahre alt sind. Ich denke, der Unterschied zu uns ist, dass wir unsere Ideen aus dieser Zeit klauen. Nicht von irgendwelchen Bands, die es seit einem Jahr gibt. So beschreibt man es wohl am Besten. Wer hat denn eure Musik beeinflusst? Zuerst sind The Fratellis von sehr vielen Bands beeinflusst worden. Jon zum Beispiel ist ein grosser Beatles Fan, ich denke aber, dass die Beatles überbewertet werden, was dann wieder zu endlosen Diskussionen führt. Ich bin ein grosser Who Fan, mag The Pogues, The Clash und solche Sachen. Ich mag es aber auch wenn es ordentlich zur Sache geht, das ganze Metal Zeugs. Wir bringen das alles zusammen und schauen, was dabei raus kommt. Dann ist es also ein Mischmasch? Ganz genau! Viele Bands kommen zusammen und konzentrieren sich zu Erst auf einen Stil und ein gewisses Aussehen, bevor sie über die Musik nachdenken, die sie spielen wollen. Wir sind da anders: Wir kamen zusammen und schauten was dabei raus kommt. Und was da raus kommt, hört man jetzt auf Costello Music. Den Leuten scheint’s zu gefallen. Ist doch wunderbar! Du hast es gerade erwähnt, euer Album heisst “Costello Music”. Meint ihr damit Elvis Costello oder was steckt dahinter? Könnte schon sein, ich weiss nicht. Es ist Teil des Spasses an der Musik. Vielleicht ist es Elvis Costello, vielleicht ein Kerl aus Glasgow, der Tony Costello heisst. Es ist nur Spass. Und ein guter Name! Auf Italienisch heisst Fratelli Bruder. Man hört da verschiedene Version, dass ihr Brüder seid oder eben nicht. Seid ihr’s nun? Ja, sind wir! Kommt darauf an, wie man’s betrachtet! Was macht denn euere Brüderschaft aus? Man braucht einen gewissen Zusammenhalt in einer Band. Das ist wie eine Familie. Das tönt jetzt wie ein typisches Klischee. Es braucht diesen Zusammenhalt bei dem, was man tut. Wenn man weg von zu Hause ist, auf Tour ist, dann muss man sich nah sein. Eure Musik passt in Clubs genauso gut wie auf Festivals. Was gefällt dir besser? Ich mag beides. Ich liebe Festivals, die mag ich echt. Der Unterschied, wenn du in einem Club spielst, ist, dass du normalerweise ankommst, deinen Kram vorbereitest, dann der Soundcheck, dann gibt’s Nachtessen, dann der Auftritt und nachher verschwindest du wieder. Alles ist strukturiert. Bei einem Festival muss man keinen Finger rühren, da ist alles vorbereitet. Man ruht sich aus, trinkt, trifft andere Bands. Festivals sind viel abwechslungsreicher als Club Shows. Auf der anderen Seite ist deine eigene Headliner Tour schon auch etwas Besonderes. Ich kann mir The Fratellis sehr gut auf einer Festival-Bühne vorstellen, davor eine Menge betrunkener Fans… Ja, das passiert oft! (lacht) …habt ihr Erfahrungen damit? Klar, unsere Musik versetzt das Publikum in Bewegung. Der Unterschied zwischen einem Club mit 500 Leuten, die alle mitsingen, -tanzen und Bier rumschmeissen, ist, das es bei einem Festival einfach 20'000 Leute sind, die genau das machen. Unsere eigene Musik passt ausgezeichnet zu Festivals. Wir werden auch wieder an einigen Festivals auftreten. Das wir ein Spass, Mann! Kommt ihr an die Sommer Festivals? Ja. Wir werden bei allen UK Festivals sein, dann in die Staaten (Coachella) fliegen. Irland nicht zu vergessen, da spielen wir auch. Später kommen wir dann hoffentlich an ein paar Festivals in der Schweiz und Umgebung. Ihr müsst uns nur einladen, dann kommen wir vorbei! („So invite us to come and play there, man! And we’ll come over…”) Die Stimmung an den Festivals, wo wir bisher waren, war immer gut. Ich hoffe, wir kommen bis zu den europäischen Festivals zurück. Liebend gern. Jetzt haben wir darüber gesprochen, wie die Leute zu euerer Musik abgehen. Zum Schluss möchte ich aber noch wissen: Wie macht ihr denn Party? Wie wir Party machen? (lacht überrascht) Das kommt auf die Stimmung an. Manchmal will man nach einem Auftritt einfach allein sein und mit ruhiger Musik entspannen. Ich weiss manchmal nicht richtig, was ich tun soll, wenn ich von der Bühne komme. Wenn man jede Nacht Party macht, würde man schnell die Nachwirkungen spüren. Wir sind eine private Band, wir verbringen viel Zeit zusammen. Wir feiern zusammen, anstatt dass wir eine Disco gehen. Wir sind all zu alt, wir sind alte Männer! Wir passen nicht mehr in Discos. Am Besten ist eine Party im Bus… Aber in Glasgow geht ihr in die Clubs? Nein. Wie gesagt, Mann, ich bin ein alter Mann! Ich ging in Clubs. Wenn ich heute zurück in Glasgow bin, möchte ich zu Hause sein, mit meinem Hund, mit meinem grossen Fernseher. Überhaupt nicht Rock’n’Roll, das beunruhigt mich selber. Du magst es eher friedlich also? Ja. Ich bin nicht viel zu Hause. Wenn ich zu Hause bin, dann will ich Ruhe. Ich will mit Familie und Freunden zusammen sein, anstatt in Clubs gehen, wo man sich eh nur besäuft. Ich geniesse das Leben zu Hause. Bleibe ein paar Tage nur zu Hause, entspanne mit Familie und Freunden. Im Sommer sind dann wieder Grillabende geplant. Danke für das Interview Barry. Viel Spass auf Tour und hoffentlich sieht man sich bald… Ich hoffe auch. Wir sind jetzt grosse Fans der Schweiz. Da wäre es schön wieder zu kommen und ein paar Mal zu spielen. Wir kommen zurück und trinken darauf… Bis bald. Tschüss. Bye-bye. |