(Jan Gerlach) Dass Element of Crime inzwischen auch in Zürich sehr beliebt sind, habe ich spätestens dann begriffen, als mir erklärt wurde, das Konzert im
Kaufleuten sei seit Weihnachten ausverkauft. Dass man Element of Crime nun auch schick finden muss, wurde mir dann in der Schlange vor dem Kaufleuten eindrücklich vor Augen geführt.
"Wie heisst Du? Sven Regener?" fragte die eine Dame an der Kasse meinen Vordermann, als sie seine Ticketreservation begutachtete. "Nein, nein. Der spielt hier heute." Teile der Kaufleuten-Mannschaft sind halt eher auf "The weekly dirty evening" spezialisiert, als auf schöne Konzerte. Was soll's.
Der Saal war gut gefüllt und doch hatte ich noch nie so viel Platz an einem ausverkauften Konzert. Muss wohl an den vielen Leuten gelegen haben, die scheinbar zum ersten Mal vor einer Bühne standen.
Die Vorband
Home of the Lame, die leider bereits spielen musste, als die Leute erst eingelassen wurden und ihr Tageswerk bereits beendet hatte, als der Saal voll war, ging ziemlich unter. Die Band hat aber das beste aus der Situation gemacht und verdient es auf jeden Fall auch mal angehört zu werden.
Während der Umbauphase stellte sich Sven Regener ans Mikrophon und stellte, wie schon an den Konzerten in Österreich zuvor, ein Konzert ohne Lead-Gitarrist Jakob Ilja in Aussicht, der wegen einer starken Angina krank war/ist. Auf das Angebot, die 45CHF zurückzuerhalten und nachhause zu gehen, gingen dann wohl nur sehr wenige ein. Ist ja auch nicht so cool.
Das Konzert fand also nur zu dritt statt und begann gleich mit der neuen Single 'Strassenbahn des Todes', die frenetisch gefeiert wurde. Bereits nach zwei Liedern wurde dann aus dem Publikum schon die Trompete gefordert, was Regener damit quittierte, dass er sie während des ganzen Konzertes nur für ein kurzes Stück hervornahm. Die Band spielte das neue Album rauf und runter, was grosse Freude auf Balkon und Parkett zur Folge hatte, streute ein paar Klassiker ein und spielte auch ein, zwei Lieder von den englischen Platten aus der frühen Zeit der Band.
Wie Regener anfangs meinte: Ganz Element of Crime war das nicht, so ohne Lead-Gitarre. Aber irgendwie klappte das doch und man hatte so nebenbei doch immer die fehlende Melodie im Kopf. Und wenn man sie nicht im Kopf hatte, dann wurde sie einem von den vielen Weibchen, die sie fröhlich im Chor piepsten, wieder in Erinnerung gerufen. Das hat zuweilen ganz schön genervt und wäre das ganze im Hallenstadion über die Bühne gegangen, hätte ich mich bei Robbie Williams (ohne die ganze Show) gewähnt. Auch wegen der "Sven Regener!"-Rufe vom Balkon.
Die Band spielte sehr solide, ich hätte mir aber einige ältere Sachen mehr gewünscht, da die in meinen Augen doch etwas mehr Ecken und Kanten haben als das Material der neuesten Platte. Mit Zugaben waren Element of Crime grosszügig und gaben dabei auch Stücke von der brandneuen EP zum besten, die offensichtlich noch niemandem im Raum bekannt war.
Alles in allem bleibt ein etwas seltsames Gefühl. Sind Element of Crime nun wirklich schon so gross, dass man wohl nicht mehr an ihre Konzerte gehen kann, weil man sich dort einfach über die seltsamen Leute nervt? Oder kann man darüber einfach hinwegschauen und die tolle Musik geniessen? Ich habe mich noch nicht entschieden.