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Maxïmo Park Interview (english) Drucken E-Mail
(Martina Lehn) Das Klangschau Exklusiv-Interview mit dem Maxïmo Park Sänger Paul Smith. 

„One in a million, two is a crowd. Three is company, four is not allowed” singt Paul Smith im Song “The Night I Lost My Head”. Doch Maxïmo Park sind zu fünft und somit ist alles wieder offen. Ob sie in der Lage sind von ihrer Heimat Newcastle (UK) aus, dem Pop das schlechte Image zu nehmen, das ihm heutzutage anhaftet, werden sie noch beweisen müssen. Ihr erstes Album „A Certain Trigger“ vermischt intelligente Texte mit tanzbarem Indierock. Doch wie um der weitläufigen Meinung zu trotzen, nennen sie ihre Musik Pop.
 
Wie würdest du jemandem, der Maxïmo Park nicht kennt, eure Musik beschreiben?

Ich würde das, was wir machen als direkte, emotionale, energetische Popsongs bezeichnen.
 
Wieso betont ihr, dass ihr Popsongs schreibt?

Weil ich denke, dass Popsongs die allgemeingültigste Musikrichtung darstellen. Mit einem Popsong erreichst du eine Menge Leute. Ein Popsong überschreitet Grenzen und kann nicht eindeutig einem Genre zugewiesen werden. Zum Beispiel „Respect“ von Aretha Franklin. Dieser Song verlangt nach etwas, sucht nach diesem negativen Gefühl. Und aus diesem Negativen wird etwas Positives geboren. Diese Macht die Popmusik hat beeindruckt mich immer wieder. Aus dieser Erfurcht entstand meine Liebe für Popsongs. Wenn man uns Indie Rock oder Alternative Rock nennen würde, wäre das für mich zu begrenzt. Wir würden nur einer bestimmten Gruppe von Leute gefallen. Doch alle Menschen haben etwas gemeinsam, wir haben den gleichen „Grundstock“ an Gefühlen. Die besten Popsongs sprechen genau diese Gemeinsamkeiten an. Es ist komisch, Pop ist in letzter Zeit fast zu einem Schimpfwort geworden. Doch die beste Popmusik ist die, welche wir anstreben. Es ist das was wir erreichen wollen, ohne eine Grenze zu setzen wer es mögen darf oder nicht. Es soll etwas für jeden sein der sich damit beschäftigen möchte. Das muss nicht heissen, dass dieser Jemand dumm ist oder sich dumm stellen soll. Ich denke, jeder Mensch ist intelligent genug, um zu verstehen was jemand in einem Popsong sagen will. Egal was für eine Art Popsong es ist – traurig, romantisch oder wütend. Deshalb nennen wir unsere Songs Pop.
 
Für dich bedeutet das Wort Pop im ursprünglichen Sinne „populär“, also für das breite Publikum gedacht?

Ja, populäre Musik. Etwas, das eine sehr weitreichende Anziehungskraft besitzt. Etwas, das einem zwölfjährigen Jungen aus der Schweiz gefällt. Etwas, das aber auch eine 45-jährige Hausfrau aus einer Londoner Vorstadt anspricht. Viele Leute die uns hören fragen uns, ob wir „Art Pop“ machen. Sie sagen, wir klingen durchdachter als dies sonst bei Pop der Fall sei. Wir selbst denken nicht so über unsere Musik und wollen auch nicht, dass andere Leute sich zu grosse Gedanken darüber machen. Es gibt heutzutage schon zu viele Einschränkungen und Vorurteile, wenn es um Musik geht. Vor einigen Wochen war ich DJ bei der Party eines Freundes. Dabei habe ich einen Song von Donna Summer aufgelegt. Leute die wussten dass ich bei Maxïmo Park bin, kamen zu mir. Sie fragten mich: „Wieso spielst du diesen schrecklichen Song?“ Ich sagte: „Es ist nur Musik. Es ist nur gute Musik“. Diese Leute haben ihre vorgefasste Meinung, was Musik ist. Doch wenn es gut ist und es dir gefällt, dann ist das alles was zählt.
 
Wie schreibt ihr eure Songs?

Es entsteht alles aus einer Art Impuls heraus. Du hast diesen aufregenden Moment in deinem Leben oder starke Emotionen die dich beschäftigen. Dann möchtest du dich nur hinsetzen und etwas darüber schreiben. Egal, ob musikalisch oder textlich. So läuft es meistens bei uns. Ich und einer der Jungs schreiben die Texte. Duncan, unser Gitarrist, hat eine Menge Songideen. Er lässt sich dabei oft von seinen eigenen Emotionen treiben. Dann kommt die ganze Band zusammen und arbeitet mit dieser Struktur aus Texten und Musik. Wir versuchen, dass jeder Teil die gleiche Beachtung bekommt. Alle Instrumente haben das gleiche Gewicht und sollen interessante Passagen spielen dürfen. Niemand dominiert die Band, wir alle bringen Ideen ein. Man hört fünf Leute und spürt die Chemie zwischen ihnen. Ich denke das ist es, was irgendeinen Song zu einem Maxïmo Park Song werden lässt.
 
Du betonst immer wieder, dass ihr gute Songs schreiben wollt. Was ist für dich ein guter Song?

Ein guter Popsong hat eine starke Melodie. Du darfst niemals die Tatsache ignorieren, dass ein guter Song einen überzeugenden Refrain braucht. Wir möchten jedoch immer mit den Möglichkeiten spielen, was alles ein Refrain sein kann. In dem Sinn, dass du den Song hörst und dich fragst, welcher Teil denn nun der Refrain ist. Es könnte das (singt) „uhuhuhu“, oder das „tin tin tin“ oder das „denenene“ sein. Wir versuchen so viele Hooks - also Ohrwurmmelodien - wie möglich in einen Song zu packen. Das ist für mich das Herz eines guten Popsongs. Es zieht die Leute in den Song hinein und lässt sie zu ihm zurückkommen. Wenn ein Song nur eine Melodie hat, dann reisst das die Leute vielleicht nicht so mit. Sie vergessen den Song einfach. Wir machen das anders. Wir beachten zwei Dinge, um zu verhindern, dass unsere Songs gleich wieder vergessen werden: 1. Jeder gute Song hat einen „Sofort-Effekt“ auf den Hörer. 2. Es gibt einen „Dauer-Effekt“, welcher den Song eine gewisse Zeit im Bewusstsein der Leute hält. Sei dass durch musikalische, respektive textliche Anknüpfungspunkte oder durch Emotionen, welche der Song auslöst. Diese beiden Effekte halten die Balance zwischen der Einfachheit und der Komplexität eines Popsongs. Ein wirklich guter Popsong spricht dich sofort an. Er spricht dich aber auch in zehn Jahren noch an und du denkst: „Was für ein Song! Er gibt mir ein grossartiges Gefühl“. Ein guter Popsong löst beim Zuhören etwas aus, und das wollen wir mit Maxïmo Park erreichen.
 
Was ist denn nun wichtiger für dich, die Melodie oder der Text?

Melodie und Text sind gleichwertig. Man bewegt sich jedoch auf einem schmalen Grat. Du kannst nicht die ganze Aufmerksamkeit auf die Texte lenken, denn das wäre gegen das Prinzip der Gruppe. Alle Instrumente haben das gleiche Gewicht. Das ist auch mit der Stimme nicht anders. In der Popmusik konzentrieren sich viele Hörer auf die Stimme und den Gesang. Das ist der Unterschied zur instrumentalen Musik. Die Aufgabe der Stimme ist es nun, den Hörer zu packen, ihm die Geschichte und die Emotionen zu vermitteln. Dabei müssen die Texte etwas bedeuten und aus einem Grund heraus existieren. Ansonsten könnte man sie gleich abschaffen und „La La La“ singen.
 
Du schreibst also nur Songs über Dinge, die dir etwas bedeuten?

Ja, so ziemlich. Ich möchte, dass es wert ist über dieses Thema zu schreiben. Es gibt so viele Liebeslieder in der Musikgeschichte. Ich werde nur über Liebe schreiben, wenn ich den Menschen etwas Neues oder für mich Spezielles darüber zu erzählen weiss. Ich möchte es mit Worten beschreiben, wie ich sie bisher noch nie in einem Popsong gehört habe. Ich versuche etwas anderes zu machen als andere Künstler und trotzdem nahe bei dem zu bleiben, was den Menschen wichtig ist. Im Grunde bin ich nur ein Musikfan und von diesem Standpunkt aus mache ich Musik. Ich möchte, dass den Leuten gefällt was ich tue. Ich möchte mich selbst und andere zufrieden stellen. Ich versuche über Dinge zu schreiben, die etwas bedeuten – und ich möchte dies auf eine relevante Art und Weise tun. Es ist völlig irrelevant, die ganze Zeit nur „Ich liebe dich, Baby“ zu wiederholen. Aber man könnte das als Gerüst für einen Song verwenden, wenn der Rest darauf aufbaut. So wird vielleicht ein anderer Aspekt dieses bekannten Gefühls in den Vordergrund gerückt und eröffnet dem Hörer neue Perspektiven.
 
In Ländern wie der Schweiz, in welchen Englisch nicht Muttersprache ist, achten die Leute viel eher auf die Musik als auf die Texte. Denkst du, die Texte bekommen da noch genug Beachtung?

In unserer Heimat Grossbritannien bekommen die Texte sicher gleichviel Aufmerksamkeit wie die Musik. Aber im Ausland, da ist es sehr viel härter. Es gibt eine Sprachbarriere, die es zu überwinden gilt. Die Leute begeistern sich anfangs vor allem für unsere Musik. Und ein bisschen vermittle ich die Texte auch durch den Klang meiner Stimme. Ich zeige etwas von meiner Persönlichkeit und versuche, dem Publikum meine Gefühle mitzuteilen. Wenn sie sich angesprochen fühlen, dann werden sie versuchen wenigstens das grobe Thema des Songs zu erahnen. Wenn sie das grobe Thema interessiert, dann möchten sie vielleicht noch mehr darüber erfahren. Die Musik spielt dabei die Rolle des Vermittlers. Unsere Melodien haben mehr drauf, als nur gut zu klingen.

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