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montags, 20-22 Uhr
toxic.fm | 107.1 MHz
I am Kloot Interview Drucken E-Mail
 (ML) Das Klangschau Exklusiv-Interview mit John Harold Arnold Bramwell (Sänger und Gitarrist) von I Am Kloot. Auf den Tee warte ich übrigens immer noch.


Ab und zu gibt es das. Eine Band bietet etwas zu trinken an. Meist ist es Wasser oder Bier aus dem Kühlschrank in der Garderobe. Nicht bei I Am Kloot. In diesem Fall ist es stilvoller Tee aus der Bordküche des Tourbusses. John verschwindet um Wasser aufzusetzen. Das gibt mir die Gelegenheit, mich ein bisschen im „Wohnzimmer“ des Gefährts umzusehen. Wie immer die Pflichtkonsole und ein Paar DVDs. Unter anderem Yes, Minister. Britischer Humor vom Feinsten. Ohne Tee – der braucht ja bekanntlich einen Moment – kommt John zurück.

Was macht I am Kloot aus?

Eine Kombination aus Leidenschaft und einer „semi-spooky athmosphere“. Das sind die beiden Hauptelemente und von da aus geht’s los.

Wie kreiert ihr diese „semi-spooky athmosphere“?   

Es hat etwas zu tun mit Melodien, Raum und Rhythmen. Ich denke man merkt es wenn man es hört. Es ist schwierig zu beschreiben.

Wie definiert ihr Raum?

Weniger ist oft mehr. Man kann sehr kraftvolle Musik schaffen ohne einen Haufen Instrumente zu benutzen. Es hat viel mehr mit den Noten zu tun, als damit viele Instrumente zu benutzen. Die Instrumente brauchen Raum um das zu tun, was sie tun. Die Wörter brauchen Raum um zu verknüpfen. Die Melodie braucht Raum um zu atmen. Es klingt zwar merkwürdig, aber auch die Rhytmik braucht Raum. Raum um anzutreiben.

Geht es auch darum, dass das was nicht da ist, wichtiger ist, als das was da ist?

Bis zu einem gewissen Grad schon. Wenn wir einem Lied arbeiten haben wir meist viele Ideen. Dann reduzieren wir diese. Das bedeute aber nicht, dass wir auch in der Zukunft so arbeiten werden. In einer Woche könnte ich all dem widersprechen. Das ist einer der Gründe, warum ich es schwierig finde Interviews zu geben. Egal was ich sage, normalerweise ändere ich meine Meinung. Das was du angesprochen hast, ist etwas, das ich früher glaubte. Heute bin ich mir aber nicht mehr sicher ob ich immer noch so fühle.

Ihr habt euch seit dem ersten Album auch ziemlich verändert. Das Erste eher spartanisch Instrumentiert, das Letzte nun doch schon einiges facettenreicher.

Als wir das erste Album aufnahmen, waren wir erst seit etwa acht oder neun Monaten zusammen. Wir taten dann das, was für uns natürlich erschien. Danach gingen wir für etwa ein ein halb Jahren auf Tournee. Als wir dann zu den Aufnahmen fürs zweite Album kamen, hatte sich unser Zusammenspiel durch die Tournee verändert. 

Wurde durch das Zusammenwachsen der Band das Songschreiben einfacher?

Überraschenderweise brauchen wir mehr Zeit. Nicht nur weil wir mehr Ideen zu den Liedern haben, auch weil es länger dauert herauszufinden, welche wir wollen und welche nicht. Das bedeutet aber nicht, dass das nächste was wir machen nicht sehr einfach sein kann. Für mich ist es nicht zwingend, dass alles immer komplizierter wird, oder dass es einen Fortschritt geben muss in diesem Sinne. Manchmal ist das Beste etwas ganz einfaches. Man muss ein Gespür haben, für das was am besten ist. Das klingt jetzt sehr anmassend.

Wonach strebst Du eigentlich, wenn du deine Texte schreibst?

Ich sitze nicht wirklich einfach hin und schreibe genau das, was ich ausdrucken will. Wenn ich ein Lied oder eine Melodie habe, tendiere ich zu singen egal was ich am machen bin und die Worte kommen dann. Bei meinen Liedern geht es nicht direkt um Sachen, sie drehen sich mehr um das Gefühl von einer Sache. Es gibt viele Symbolismen und Metaphern. Es geht mehr darum ein Gefühl von einer Stimmung auszudrucken als zu sagen: „Hier geht es mir um dieses Thema und das ist meine Meinung dazu.“

Es geht also darum Bilder zu schaffen?

Es ist gewissermassen cinematographisch . Für mich ist es etwas vom Grossartigsten in der Musik. Sie kann einfach nur aufregend sein, wie bei den Sex Pistols. Sie kann aber auch Leichtigkeit, Traurigkeit und gleichzeitig Schönheit ausdrücken wie bei Leonard Cohen. Natürlich kann sie auch alles dazwischen sein.

Apropos cinematographisch. Wäre Gods and Monsters ein Soundtrack zu einem Film. Was für ein Film wäre das?

[John grübelt nach. Nach einer Weile] Für Gods and Monsters könnte man Ghandi nehmen. [Er bricht in schallendes Gelächter aus.].

Da brauche ich nun aber eine Erklärung.

Es geht um Glauben und Unglauben und um geistige Haltungen. Es ist ein paranoides Album das um Glauben geht. Nicht aber, dass es ein Konzept gewesen wäre. Mir gefiel dazumal der Titel Gods and Monsters. Es gibt Vampire die auftreten und daneben noch religiöse Symbolismen. In einem Stück geht es auch um Fernseher. Alle diese Dinge haben damit zu tun, was wir als wahr empfinden und was nicht und ob wir den Glauben brauchen oder nicht. Mir viel einfach auf, dass die Lieder von Göttern, Monstern, Fernsehen und all diesen Dingen handeln.

Das ganze war also nicht geplant, sondern einfach Zufall?

Es gibt sogar ein Lied das Zufall (Coincidence) heisst. Wo es genau um solche Dinge geht. Es war wahnsinnig komisch mit Coincidence. Einmal schlug ich vor, Coincidence mit einem Fragezeichen zu schreiben. „Coincidence? I don’t think so“. Wir machten es dann aber nicht. Das ganze Thema muss wohl in meinem Unterbewusstsein gewesen sein. Keine Ahnung wieso. Man schreibt ja einen Haufen Lieder zum gleichen Zeitpunkt. Meist findet man da rote Fäden die sich durch das Ganze ziehen. Weil ein Lied Gods and Monsters heisst, erschien es uns als guter Albumtitel.

Glaubst Du an Götter und Monster?

Ja und Nein, wie jeder andere auch. Es ist witzig. Man kann sein ganzes Leben lang ein Atheist sein. Wenn aber jemand den man liebt im Sterben liegt, kann es sein, dass man zu beten beginnt. Das ist eigenartig.
Leute sagen, sie glauben an das, an das nicht, das ist Blödsinn, das ist die Wahrheit. Die Wahrheit aber ist, niemand von uns weiss wirklich etwas. Es ist unglaublich wie Menschen sich unter anderen Umständen verändern können. Mich nervt es immer wenn Leute darüber schwafeln, was sie von anderen Menschen halten. Über das Leben, den Glauben, wie dumm oder wie genial sie sind. Was auch immer. Es stört mich, weil wir es nicht wissen können. Und ich frage mich, wie man überhaupt eine so extreme Meinung haben kann.

Zum Schluss würde mich etwas aber doch noch interessieren: Was bedeutet I am Kloot?


Das sagen wir nie. Es ist nichts Persönliches. Wir sagen es einfach nie. Es hat einen Sinn und mir gefällt wie sich der Name anhört. Kloot ist ein erfundenes Wort. Für uns hat es aber einen Bezug. Ich wollte den Namen aufgrund des Klanges und wie er aussieht. Ich wollt einen neutralen Namen, weil ich nicht wusste, was wir musikalisch machen würden. Darum wollte ich keinen Namen, der in die Quere kommt. Und er ist merkwürdig.

Nach dem Gastklang unterhalten wir uns noch ein Wenig über Schweizer Bands. Oder genauer über Yello. Das ist schliesslich die einzige Schweizer Band, die John in den Sinn kommt. Die hatte er als Junge sogar mal interviewt. Für ein Musikmagazin. Interviewt zu werden mag er aber doch irgendwie lieber. Musiker müsste man sein.

 
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