 | (ML/RZ) Das Klangschau Exklusiv-Interview mit Sufjan Stevens anlässlich seines Konzertes in der Roten Fabrik im Oktober 2005. |
Wie bist du auf die Idee gekommen jedem amerikanischen Bundesstaat ein Album zu widmen?
Die Idee ist eigentlich erst entstanden als ich die Michigan Songs geschrieben habe. Damals ging’s ja um die Gegend in der ich aufgewachsen bin. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass man noch einen Schritt weiter gehen und Songs über andere Staaten schreiben könnte. Es erschien mir damals ein gutes Konzept zu sein, um meine Songschreiberei etwas zu organisieren. Aber ehrlich gesagt geht’s beim ganzen Staaten-Projekt weniger um die USA oder die einzelnen Staaten, als viel mehr um das Menschsein und um mich. Ich brauche also diese Staaten eher als eine Art Aufhänger für meine Songs. Aber wie machst du das? Kannst du zu jedem Staat ein Verhältnis entwickeln?
Ich glaub schon. Obwohl ich nicht alle Staaten besucht habe. In den Fällen basiert mein Verhältnis eher auf Hörensagen oder Klischees. Die sind zwar nicht so präzise und wahr, aber fürs Songschreiben fast ebenso brauchbar. Aber es ist natürlich zum jetzigen Zeitpunkt nicht so einfach darüber zu reden, da ich ja erst 2 Staaten bearbeitet habe. Genau. 48 Staaten liegen ja noch vor dir. Hast du wirklich vor alle abzuarbeiten?
Ja, doch ich glaube schon.
Ich weiss jetzt nicht, wie lange du für ein Album brauchst. Aber da ist dein halbes Leben ja schon verplant.
Das ist natürlich ein wichtiger Teil meines Lebens. Aber ich arbeite zum Beispiel auch ganz gerne im Garten und möchte später mal heiraten und Kinder haben. Ein Buch möchte ich auch noch schreiben und Asien bereisen. Vielleicht werde ich sogar mal dort hin ziehen. Songs zu schreiben ist also nur ein kleiner Teil meines Lebens. Weisst du schon welcher der nächste Staat sein wird?
Nein, keine Ahnung.
Hast du nicht Angst dass das 50 Staaten Projekt etwas repetitiv werden könnte? Beispielsweise bei Staaten wie North und South Carolina?
Ich sehe es nicht als meine Aufgabe an die Musik eines Ortes wiederzugeben. Wenn ich zum Beispiel ein Album über North Carolina gemacht habe, möchte ich sicher eins über South Caroline machen. Aber vielleicht mache ich dann eins das ganz anders klingt als das über North Carolina.
Aber wie machst du das genau, wenn du einen Staat in ein Album verwandeltst? Hast du zuerst eine Idee oder fängst du einfach an Songs zu schreiben?
Ich denke es ist wie bei jeder Form von Songwriting. Viel Songwriting ist ja sehr narrativ und basiert auf Gesprächen mit Freunden. Normalerweise gibt’s immer einen Protagonisten, einen Antagonisten, einen Konflikt und das gibt dann die grobe Erzählrichtung vor.
So habe ich schon immer Songs geschrieben. Die Staaten selbst sind da nur noch Umfeld. Informationen über Staaten kann man auf verschiedene Arten erarbeiten. Man kann zum Beispiel beobachten, Bücher lesen oder sogar dort leben. Aber das sind alles ganz gewöhnliche Recherchemethoden, die man ja an der Universität lernt. Und je nach Lust und Laune sind diese Methoden eher nützlich oder unnütz.
Für mich ist es im Moment wirklich etwas kompliziert über das 50 Staaten Projekt zu sprechen, da das Meiste ja noch in der Zukunft liegt und ich noch keine Methodologie entwickelt habe. Aber ich glaube auch nicht, dass ich je eine einheitliche Methodologie entwickeln werde. Ich denke mal jedes Album wird wieder ganz anders. Zum Beispiel?
Ein Album könnte zum Beispiel ‚Found Sounds’ sein. Einfach Aufnahmen von verschiedenen Orten. Bellende Hunde, singende Vögel, fahrende Autos oder Flüsse. Wie hast du es denn bei den ersten zwei Alben gemacht?
Yeah, darüber könnte ich stundenlang sprechen. Schliesslich liegt das schon hinter mir. Das erste Album (Michigan) basiert mehrheitlich auf meinen Erinnerungen. Es spielt wirklich in einer emotionalen Umgebung basierend auf Erinnerungen. Das zweite Album (Illinoise) ist da ganz anders. Es basiert fast nur auf externen Informationen. Bücher, Forschung, Karten, Polizeiberichte... Ich hab einfach Informationen gesammelt und zusammengeführt. Gut, ich bin auch etwas rumgereist. Aber ich bin da wirklich als eine Art Tourist an die Sache herangegangen.
Weiterführende Links: Offizielle Seite des 50 Staaten Projekts: http://www.sufjan.com/50states.htmlDie Klangschau ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten. zurück zu den übrigen Interviews
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