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Final Fantasy Interview Teil 1 Drucken E-Mail
 (RZ) Teil 1 des Klangschau Exklusiv-Interviews mit Owen Pallett alias Final Fantasy über den schlimmsten Tag der Tour und seine Arbeit mit Arcade Fire und den Hidden Cameras.

16.10.2005, El Lokal, Zürich


Eigentlich wäre das Interview mit Owen Pallett alias Final Fantasy für 19:30 angesetzt. Doch schon gegen Mittag erreicht mich ein SMS aus dem Tourbus:
 
"Interview erst nach show. Wir sind noch im italien. Werden zu spaet ankommen"
 
Im Zürcher El Lokal eingetroffen, frag ich sicherheitshalber nochmals nach, nicht dass ich am Ende noch vergebens auf Final Fantasy warte.
 
„Wir sind noch nicht mal da.hoellentag„
 
Aber schlussendlich kommen sie trotz Stau doch noch an und spielen ein wunderbares Konzert im äusserst gut besuchten El Lokal mit drei Zugaben. Für das anschliessende Interview nimmt sich Owen auch gerne Zeit, obwohl er noch nichts gegessen hat und fast am verhungern ist.
 

Wie läuft die Europa Tour? Ich hab gehört heute wär’s etwas stressig geworden.

Heute war der schlimmste Tag! Wir hatten bis jetzt nur super Tage. Aber heute war’s so übel, dass wir hinten im Auto sassen und „yeah, worst day“ gerufen haben. [lacht] Wir waren so lange in diesem Auto und zuvor mussten wir noch am Veranstaltungsort warten und konnten nicht mal weg, um was zu essen. So haben wir halt einen Beachball rumgekickt und ein paar Tage alte Salate ohne Sauce gegessen. [lacht]

Klingt ja wunderbar. [lacht] Unsere Hörer/Leser haben dich und deine Geige ja schon gehört, bevor sie überhaupt von Final Fantasy wussten. Bei den Hidden Cameras bist du dabei und bei Arcade Fire auch. Aber da gibt’s sicher noch weiter Projekte von denen wir hier noch nie was gehört haben.

Arcade Fire und die Hidden Cameras sind eigentlich Projekte bei denen ich eher weniger involviert bin. Obwohl Arcade Fire schon. Schliesslich war ich ja auch mit ihnen auf Tour. Aber da gibt es eine Band auf die ich besonders stolz bin. Die Jim Guthrie Band aus Toronto. Jim ist ein Solo-Gitarrist, der zuvor schon bei Royal City war. Royal City waren aber trotz einem Vertrag mit Rough Trade leider nicht besonders erfolgreich. Die Jim Guthrie Band ist ein Soloprojekt von ihm, das in Kanada recht erfolgreich war, ausserhalb aber weniger. Mit ihm hab ich ein Album gemacht, das wie eine Mischung aus einem Rock- und einem Streicher-Album klang. Es klang etwas wie eine Lo-Fi-Version eines Zombies Albums. Oh, und Jim spielt jetzt übrigens  bei den Unicorns-Nachfolgern Islands Gitarre. Aber ich weiss jetzt nicht, wie’s um sein Soloprojekt steht. Es war wirklich wunderbar. Wenn du also eine Jim Guthrie CD irgendwo auftreiben kannst, würden sich deine Hörer sicher freuen.

Da werd ich mich sicher drum kümmern. Nun aber zu deinen etwas bekannteren Projekten, den Hidden Cameras und Arcade Fire. Zuerst zu den Hidden Cameras. Ihr Mastermind Joel Gibb sieht sich ja selbst als eine Art musikalischen Diktator. War es schwierig mit ihm zu arbeiten?

Nein, ich würde nicht sagen es war schwierig. Also es ist natürlich immer schwierig mit jemandem zu arbeiten, der dein Freund ist und seine Musiker wie Vieh behandelt. [lacht]
Ich hab jetzt schon länger nicht mehr mit ihm gesprochen, aber er ist wirklich ein Genie und macht sein Ding. Es ist natürlich etwas schade, dass man bei den Hidden Cameras, nicht so arbeiten kann, wie bei anderen grossen Bands, wie Broken Social Scene oder Arcade Fire, wo jeder Musiker sein Talent einbringen kann. Das merkt man auch an der Qualität der Hidden Cameras Alben und an ihrer Fähigkeit auf Tour zu gehen.

Was konntest du denn von deiner Arbeit mit den Hidden Cameras für dein eigens Projekt Final Fantasy lernen?
 
Joel ist ein musikalischer Visionär. Mit ihm zu arbeiten hat mir wirklich die Augen geöffnet für neue Songwriting-Ansätze und sexualpolitische Themen. Aber ich hab von ihm auch gelernt, wie man eine Band leitet, obwohl ich nicht seiner Meinung war. Trotzdem halte ich ihn natürlich für einen wirklich wunderbaren Künstler und kürzlich hab ich ein paar seiner neuen Songs gehört, die er an Konzerten in Kanada gespielt hat. Unglaublich gute Songs, wohl die besten, die ich je gehört habe.

Und nun zur anderen Band die du zuvor schon erwähnt hast, Arcade Fire. Die sind ja verglichen mit den Hidden Cameras ganz anders organisiert.

Stimmt. Mit Arcade Fire zu arbeiten ist ein reines Vergnügen. Im Moment sind sie ja auch weltweit jedermanns Liebling. Aber ich bin ja kein richtiges Bandmitglied und fühle mich jetzt auch persönlich nicht allzu stark mit Arcade Fire verbunden oder gar als höheres Wesen wegen all dem Erfolg. Aber ich freue mich natürlich riesig über ihren Erfolg. Zudem hat mir die Arbeit mit Arcade Fire erlaubt, vor grossem Publikum als Vorband und Mitmusiker zu spielen und nicht zu letzt auch gut zu essen. [lacht]

Was konntest du von dieser Zusammenarbeit für dich und Final Fantasy profitieren, abgesehen vom guten Essen?

Die Zusammenarbeit mit anderen Bands, wie Arcade Fire, ist eigentlich ziemlich schädlich für Final Fantasy. Ich bin nie zu Hause und habe keine Zeit was Eigenes aufzunehmen. Sie haben wirklich einen unglaublich stressigen Aufnahmeplan. In diesem Jahr komme ich also alle Konzerte mit Final Fantasy, Picastro, eine andere Band in der ich spiele, Arcade Fire und Gentleman Reg, auch eine Band in der ich gelegentlich spiele, eingerechnet auf etwa 170 Konzerte. Ich bin also reichlich überarbeitet. Und das alles dank dem Erfolg von Arcade Fire. [lacht]

Nun zu deinem eigenen Erfolg. Du bist im Moment ja wirklich der Indie-Geiger der Stunde. Wie kam’s dazu, dass du gleich auf so vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzen konntest?
 
Nun, ich kann sehr schlecht ‚nein’ sagen und in Kanada gibt’s zur Zeit wirklich viele talentierte Musiker. Aber seien wir ehrlich, da gibt es viel bekanntere und bessere Indie-Geiger als mich. [lacht] Andrew Bird und Warren Ellis sind nun wirklich deutlich visionärer und talentierter als ich. Aber nett von dir, dass du mich da dazuzählst.

 
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