(Jan Gerlach , 21.03.2008) Liesse man sich von den Pressefotos des Pullup Orchestras zu sehr beeindrucken, könnte man ob der vielen Kapuzenpullover eigentlich meinen, man hätte es mit neun Leuten zu tun, die sich nur selten vor die Türe trauen. Doch das ist natürlich weit gefehlt!
Vielmehr ist das Album 10 For Franklin das Ergebnis des ersten Versuchs der Combo, sich in einem Studio einzusperren statt draussen wild durch die Gassen zu blasen. In den Referenzen der Band findet sich zwischen verschiedenen Lokalen der Ostschweiz eine vierzehntägige Tour durch Frankreich und Spanien. Allerdings ohne Namen von Auftrittsorten, denn das Pullup Orchestra hat in den Strassen gespielt, wie es sich für eine richtige Brassband gehört.
Nun also das Album. Es beginnt ganz vorsichtig und sanft, ehe sich Samwhaa! The Librarian mit seinem Ostschweizer Dialekt zu Wort meldet und das (von der Diktatur der Berner Mundart im Schweizer Pop stark geprägte) Ohr aufhorchen lässt. Etwas platt wirkt das zunächst: "Es got ufä und abä, links und rechts es isch doch alles nid so schwer" (ufä und abä). Dann ein Unisono-Bläsersatz, der irgendwie an die frühen Besuche im Zirkus erinnert, wo dann das Orchester zwar hübschen Pop-Jazz gespielt hat, aber doch nicht so durfte, wie es wirklich wollte.
Samwhaa! rappt breit und teilweise flink über Geldnöte und die Karriere als Teil des Pullup Orchestra, während die übrigen acht mit Tuba, Posaune, Tenorsax, Trompeten und Perkussion den klassischen bis modernen Brasssound beschwören. Textlich lehnt man sich gegen den alltäglichen Gesellschaftsdruck auf und verabschiedet sich sehr gelungen aber erfolglos von einer Liebe.
Die fünf Originaldompositionen, der Kern des Albums, sind schnell durchgelaufen und es folgen nochmal so viele Remixes der Lieder. Das ganze fühlt sich etwas gehemmt an, auch wenn die Gruppe um Philipp "Franklin" Labhart stets zeigt, dass sie am liebsten draussen mit ihren Instrumenten herumtanzen würde.
Als popgeschulter Hörer wünscht man sich noch den einen oder anderen Schliff an der Produktion, mehr Bombast und Effekt. Doch merkt man schon nach dem ersten Durchgang, dass man die Melodien und Bläsersätze so schnell nicht mehr los wird. Hat man die anderswo schon mal gehört?
Das Anschreiben, das die Klangschau erreicht hat, flunkert dann auch ein wenig, wenn 10 For Franklin als "eines der wohl innovativsten Releases" des Jahres gepriesen wird. Am besten sagt's wohl Samwhaa! selbst: "für jedä wo's immer no nöd checkt, chum abä uf d'Strass und mir blased dich weg!" (10 for franklin)
Die besten Tracks sind byebye und der housige Remix davon, der an der nächsten Party nicht fehlen darf.
(6)
Das meinen die Kollegen:
aightgenossen 3 von 5 Punkte
78s ein erfrischend anderes Stück Musik
Reinhören: Pullup-Space .
Ansehen: Live demnächst am 31. März an den Stanser Musiktagen, beim Honkytonk-Gedröhne am 25. April in der St.Galler Grabenhalle und am 9. Mai im Panem in Romanshorn.
Oder aber auf Video:
Kaufen: Direkt bei Hinterhaus-Records oder bei cede.ch
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