(Jan Gerlach , 24.08.2008) Brandon Whitten, Sänger von Ghost of The Russian Empire hat eine Schwäche für Commie-Chique: Er gestaltet wunderbare Plakate, die von sowjetischen Symbolen geprägt sind. Das Zarenreich ist längst untergegangen und auch die Sowjetunion brach vor bald zwei Jahrzehnten auseinander. Und auch wenn einige Kommentatoren nach den Geschehnissen der letzten Wochen am Kaukasus einen neuen kalten Krieg heraufbeschwören, so ist die militärische Sowjetmacht tatsächlich nur noch Nostalgie. Der neue Zar heisst Vladimir und Mischka ist sein Rasputin. Die neue Waffe heisst Öl und Gas. Russland ist Europa heute kulturell bei weitem näher als in den 60 Jahren nach dem 2. Weltkrieg.
Trotzdem kommen Ghost of the Russian Empire aus Austin, TX und nicht aus St.Petersburg. Natürlich wird auf Englisch gesungen. Durch ihre irrsinnig tolle EP With Fiercest Demolition hat die Band bereits vor 2 Jahren auf sich aufmerksam gemacht. Sie spielt einen verträumt-melancholischen Rock, irgendwo zwischen Indie und Post-Rock, der einen schlagartig in spröde Winterlandschaften zwischen eingefallenen Fabrikgebäuden versetzt. Oder in weite Steppenflächen am Rande der Stadt. Je nach Belieben.
Das neue Album The Mammoth beginnt mit dem ungestümen A Decade Without A Death, in welchem die Gitarre an Interpol erinnert. Brandon Whittens Stimme wird mit Hall zum hauchenden Geist, der einem im Sturm begegnet. Die Musik hat etwas durch und durch gespenstisches. Die Produktion könnte sauberer und ausgebuffter sein. Doch wen kümmert das, wenn er nachts im Lada unterwegs ist?
War der Autor noch vor Kurzem überzeugt, dass The Mammoth nicht an die Debut-EP von Ghost Of The Russian Empire heranreicht, so muss er dieses Urteil nach wiederholtem Durchhören revidieren. Whittens Aussprache macht das Verständnis der Text recht schwierig. Er selbst bezeichnet seine Technik als Murmelgesang ("I mumble-sing..."). Doch das Nachlesen der Lyrics lohnt sich: Die pessimistischen Ansichten und die zynischen Beschreibungen von Krieg und dem Selbstverständnis von Soldaten müssen als Kritik an der amerikanischen Regierung aufgefasst werden. Sie könnten aber auch um 1940 geschrieben worden sein.
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Anhören und für wenig Geld kaufen: Auf dem Myspace der Band.
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