(Rafaël Zeier ) Muss die Klangschau wirklich über dieses Album berichten? Schliesslich dürfte es ja als wichtigstes Album des Jahres von EMI mehr als genug Aufmerksamkeit zugeschachert bekommen. Dennoch gibt es mindestens zwei gute Gründe dennoch über das – zugegeben – etwas albern betitelte und bebilderte Album zu sprechen: Eno und Dravs.
Ein Album, das hinter den Reglern die Talente des Roxy Music Helden und späteren Talking Heads Produzenten und U2 Hof-Produzenten Brian Eno und (auf Empfehlung von Win Butler höchstpersönlich) des Produzenten des letzten Arcade Fire Albums Neon Bible Markus Dravs vereinigt, kann hier also durchaus erwähnt werden.
Natürlich darf Coldplay auch weiterhin mit der Skepsis begegnet werden, die einer Band gebührt die just dann von einem grossen Label entdeckt wurde als die englischen Hit-Garanten Radiohead mit Kid A kompliziert wurden und sich Oasis mit Standing On The Shoulders Of Giants von den Charts in die Klatschspalten verabschiedeten. Dennoch muss man Coldplay zu Gute halten, dass sie ihre Rolle vorzüglich gespielt haben und aus ihren Möglichkeiten das Maximum herausgeholt haben, auch wenn sie hin und wieder doch etwas gar auffällig aus den U2-Lehrbüchern abgeschrieben haben.
Aber zurück zu Eno und Dravs. Die zwei tun ihr Möglichstes, die Dampfwalze Coldplay hin und wieder mal auf etwas dünneres Eis zu locken. Jeder mit seinen Tricks. Eno mit sphärischen Klängen und Dravs mit Kirchenorgeln und Gesangsaufnahmen in Kirchen. Aber Coldplay wären nicht da wo sie heute sind, wenn sie sich allzuleicht von ihrer Erfolgsformel abbringen liessen.
Gleichwohl findet man auf Viva La Vida ein paar doch überraschende Momente. Das erste Stück des Albums, Life In Technicolor, überrascht mit Postal Service Elektro-Gefrikel. Es dient aber leider nur als Intro für das restliche Album. Davon hätte man sich mehr gewünscht. Lost! (nicht zu verwechseln mit der B-Seite Lost?) ist ein richtiger Kirchenorgel-Stampfer. Natürlich bei Weitem nicht so dringlich, wie es sich Arcade Fire trauen, aber ein Kirchenorgel-Stampfer nichtsdestotrotz. Heimliches Highlight des Albums ist Yes, das - wer hätte das gedacht – tatsächlich an die in der ausführlichen und vielversprechenden Pressemitteilung zitierten My Bloody Valentine erinnert. Auf Yes folgt dann mit dem Titelsong, der wohl grösste Coldplay Hit seit Clocks. Um es mit U2-Sprech zu sagen, das Beautiful Day von Coldplay.
Trotzdem muss man Coldplay zum Schluss doch vorwerfen trotz dieser Geschmacks- und Referenz-Sicherheit wieder weit hinter dem Möglichen zurückgeblieben zu sein. Aber auf dem Pfad der U2-Werdung sind sie wieder ein gutes Stück vorangekommen. Schön für sie. (6)
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