(Romanie Marty, 5.10.08) Wir befinden uns in hektischen Zeiten. Kopflos prügelt
sich die Menschheit durch den Alltag wie Brutus sich durch ihr Album „White
Shape: Black Beast“. Angenehm ist das nicht. Abwechslungsreich ebenso wenig.
Mit stoischer Gradlinigkeit hetzen die Lausanner von Track zu Track,
veranstalten einen lauten, wütenden Brei aus Stakkatogitarren, hackenden Drums
und fast nicht wahrnehmbarem (männlichem) Falsettgesang und versuchen sich scheinbar
als Radiohead für Arme. Nach zwei Minuten beginne ich mit dem Skippen und hab
den Eindruck, dass sich jeder Song wie ein Ei dem andern gleicht – in Tonhöhe
wie auch Tonmuster.
Beim sechsten Halt gewähren Brutus mit „Test me“ eine
Verschnaufpause. Dieser zarte Querschläger kommt im Stile der
sanftplätschernden Stücke von Lemon Jelly daher. Flüsternd weben sich gehauchte
Gesangsspuren zu einer vernebelten Träumerei zusammen, ganz ohne Drums, mit blubberndem
Sequenzerbass und vibrierenden Saiten.
Nach dessen abruptem Ende wird sogleich munter
weitergeprügelt, als schäme Brutus sich dieses naiven Seitensprungs. Wie
vermutet fällt das Schlusslicht „The Heartbeats Eaters“ nochmals besinnlich aus
dem Rahmen. Und zum ersten Mal scheint durch, zu welch tollen Melodien Brutus
noch fähig wären. „Heartbeats“ entfaltet sich wie eine Blume in der Sonne
(klingt kitschig, ist aber so), verströmt eine tröstende Wärme und endet ohne
Vorwarnung so sanft, wie er anfing. Da flackert sogar die Shoegazebrillianz der
Dänen Mew auf.
Dieser letzte Track klingt noch länger in meinen
Gehörgängen wider und stimmt mich zum Schluss doch noch ein wenig versöhnlich.
Nichts gegen laute, agressiv-peitschende Musik und schonungslosen Speed. Werden
diese Attribute jedoch als Deckmantel für zu wenige Einfallsreichtum verwendet,
wie es bei „White Shape: Black Beast“ der Fall ist, ist es einfach nur
überflüssig. (5)
Reinhören:
http://www.myspace.com/brutuslausanne
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